Alles wird gut

4. April 2014, 16:49
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Fans jubelten beim Anblick ihrer Handschuhe. Der Papst war erfreut, Biokost aus königlichen Gärten zu bekommen

ÖGB-Präsident Erich Foglar kontaktiert den japanischen Premier Shinzo Abe. Er möge bitte bei der Uno eine Resolution puschen, die den Zwölf-Stunden-Tag in Österreichs Betrieben verhindert. Abe, selbst in Wirtschaftssorgen, zeigt zwar Verständnis, weist aber das Ansinnen zurück. Es komme nicht gut, sich für ein Land einzusetzen, in dessen Flüssen Tonnen von Plastik herumplantschen. Dies könnte die globale Aufmerksamkeit auf Abes altes Pro­blem, Fukushima, lenken.

Die Stimmung kippt, doch schaltet sich die krisenerprobte Queen ins eskalierende Gespräch ein. Sie verspricht, mit dem Papst, den sie gerade trifft, sowohl die ÖGB-Probleme wie auch Japans Wirtschaftskrise zu lösen. Alles gut.

Solch schlaffördernde Traumeffekte könnte die "ZiB 2" mit ihrer Dramaturgie bewirkt haben. Sie schloss, nach Präsentation von Sorgenthemen (Zwölf-Stunden-Arbeitstag, Foglar-Gespräch, Japans Wirtschaftspro­bleme, Plastik in Donau) jedenfalls mit dem Queen-Besuch beim Papst - also für das Seelenkorsett beruhigend.

Auch von der Machart her: Queens Image als Krisen auslachendes Monument lässt Korrespondentenberichte zu Seitenblicke-Beiträgen schmelzen. Fans jubelten beim Anblick ihrer Handschuhe. Der Papst war erfreut, Biokost aus königlichen Gärten zu bekommen. Und die Queen selbst nahm gütig ein Papstpräsent für Urenkel George mit.

Worüber man sprach, blieb unklar. Nur ein Analytiker war sicher, es habe sich beim Besuch um einen "diplomatischen Meilenstein" gehandelt. Die Queen hat offenbar für alle etwas Märchenhaftes. Solange es die Dame gibt, ist alles gut. Für Korrespondenten, Analytiker und "ZiB 2"-Seher. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 5./6.4.2014)

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