Reich werden mit Gott

4. April 2014, 16:49
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So ein Glück! "Vandale verwüstet Stephansdom", konnte 'Österreich' diese Woche auf der Titelseite eröffnen

So ein Glück! Vandale verwüstet Stephansdom, konnte "Österreich" diese Woche auf der Titelseite eröffnen. Der Vandale war zwar Ghanaer, aber worauf es ankam, war: Täter ist ein Asylwerber. Das wollte auch die " Kronen Zeitung" nicht unterdrücken. Asylant verwüstet Wiener Kirchen, informierte sie auf Seite 1, womit die autochthone Leserschaft wieder einmal wusste, was sie von asylsuchenden Ausländern zu halten hat. Bei Fellner wurde sie darin vom zuständigen Funktionär bestärkt. Dompfarrer Toni Faber, nicht nur professioneller Salonlöwe, sondern offenbar auch Freizeitpsychiater, sprach von der Tat eines Wahnsinnigen, ein Urteil, dem sich "Österreich" nach Recherchen im Heiligenkalender anschloss. Es war kein Wink des Schicksals, sondern sicher nur ein Zufall: Ausgerechnet die Statue des Judas Thaddäus, des Schutzpatrons für aussichtslose Fälle, zerstörte ein ebensolcher - gemeint Vandale - im Steffl. Ob Judas Thaddäus auch der Schutzpatron von "Österreich" ist, blieb offen. Faber: Immer wieder gibt es Zwischenfälle mit Verwirrten.

Für die Familie Dichand stellte sich der Kardinal als Schadensmelder mit treffenden Vergleichen zur Verfügung - in der "Krone" noch etwas verhalten: "Dieser schwere Vandalismusakt in Wiener Kirchen ist erschütternd". "Heute" ging mit ihm auf Visite, und an Ort und Stelle nahm er sich kein Blatt vor den Mund, was dem Blatt neben der Feststellung "Wie ein Bombenangriff" auch die Erkenntnis einbrachte: "Es schaut hier aus wie in Syrien." Da war es ein Trost, dass der Dompfarrer in der "Krone" feststellen konnte: Die Statue des heiligen Judas Thaddäus ist keine Millionen wert. Sie wird trotzdem renoviert und am bisherigen Platz auch wieder aufgestellt. Gut so, konnte doch die "Krone" in der Glaubensgewissheit schwelgen: Der Heilige hat Fürbitten erhört, "wo jede Hoffnung ausgeschlossen war." Wenn der Ghanese das nur früher gewusst hätte ...

Aus einer anderen kirchlichen Ecke hat wieder einmal Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck mit einem neuen Buch zugeschlagen. "Presse" und "Kurier" waren begeistert, ist doch der Titel Reich werden auf die gute Art und verspricht 12 Regeln, wie man Vermögen im Einklang mit Gott erlangt, und unter welchen Bedingungen auch Reiche in das Reich Gottes gelangen können. Vorbei die Zeit, als 10 Gebote ausreichten, um den Weg in das Reich Gottes zu finden, aber die waren auch nie eine Garantie dafür, wie man Vermögen erlangt - eher im Gegenteil -, und schon gar nicht im Einklang mit Gott.

In der Beantwortung der berechtigten Frage des "Kurier", Wer will heute noch im Einklang mit Gott reich werden? konnte der Altabt keinen Namen nennen, außer für das Gegenteil, indem er die Namen Madoff, Lehman und Hypo Alpe Adria fallenließ als Beispiele, wo aus meiner Sicht zutiefst unmoralisch gehandelt wurde. Dass die Profiteure aus dem Fall Hypo, geht es nach Henckel-Donnersmarck, nicht in das Reich Gottes gelangen werden, weil sie ihr Vermögen eher im Einklang mit Jörg Haider als im Einklang mit Gott erlangt haben, sollte aber weder in der Spindelegger-Kommission noch vor einem eventuellen Untersuchungsausschuss als irdischer Milderungsgrund angerechnet werden. Wer wegen einer halben Million Euro, die er für seine Schwiegermutter anlegt, bereit ist, den Himmel zu verwirken, den kann nur noch überirdische Klug- und Schönheit wenigstens vor der irdischen Gerechtigkeit bewahren, vorausgesetzt, er hat einen tüchtigen Anwalt.

"Die Presse" gab sich bei der Frage nach der Verwerflichkeit von Gewinn mit eher abstrakten Antworten zufrieden. Wenn er mit verbrecherischen Mitteln erzielt wird, kann er nicht gutgeheißen werden, was sogar die hiesige Justiz einräumt. Wenn er aber unter der Voraussetzung eines moralischen Bewusstseins entstanden ist, dann ist er in Ordnung. So gesehen ist dem Anleger für die Schwiegermutter das Himmelreich doch wieder sicher, schließlich hat er über sein moralisches Bewusstsein nie einen Zweifel offengelassen, ja dieses bis über den Rand der Strapazierfähigkeit hinaus derart kundgetan, dass jeder religiöse Betrachter sich fragen müsste, warum ihn der Himmel nicht längst aufgenommen hat.

Trotz guter Ansätze - Finanztransaktionssteuer - blieb das Versprechen, Abt Gregor Henckel-Donnersmarck verrät, wie man gottgewollt reich wird, hinter der Lesererwartung leicht zurück. Gottgewollt und reich bleibt ein metaphysischer Spagat. (Günter Traxler, DER STANDARD, 5./6.4.2014)

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