Bekömmlicher Wiedererkennungswert

4. April 2014, 18:00
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Querfeldein durch die österreichische Kunst, das ist beim Messeformat Art Austria (bis 6.4.) Programm, vom Publikum explizit gewünscht und wird auch geboten

Donnerstagmittags zum Lokalaugenschein ins Leopold-Museum, wo Anfang der Woche Repräsentanten des heimischen Kunsthandels und der Galerienszene, in Summe deren 58, mitsamt ihrer artifiziellen Entourage Quartier bezogen. Etwa 25.000 Einladungen waren verschickt worden und die Eröffnung mit mehr als 6200 Vernissagegästen fast zu üppig frequentiert.

Der Besuch am Tag danach ist überraschend rege, wiewohl ein Wochen- und damit regulärer Arbeitstag. Pensionisten sind in der Minderheit, das nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Museumstouristen strawanzen hier ebenso neugierig durch die Kojen wie Studenten und damit künftige Käufergenerationen. Die eine Enddreißigerin gönnte sich ebenso wie der Mittvierziger offenbar einen Urlaubstag.

Das Publikum will ...

Bis inklusive Sonntag (6. 4.) steht hier auf drei Ebenen und auf insgesamt 2600 Quadratmetern verteilt die Art Austria auf dem Programm. Die siebente übrigens, und wie der Name unmissverständlich darlegt, steht bei dieser Kunstmesse im Mittelpunkt, was derzeit einerseits an österreichischer Kunst auf dem Markt verfügbar und andererseits auch explizit nachgefragt ist. Mehrheitlich ist diese zeitgenössischen Ursprungs, begleitet von da und dort verteilten Kleinrationen der klassischen Moderne.

Um den Anspruch, international zu sein, ist es bei diesem Format nie gegangen, ganz im Gegenteil. Und diese Fokussierung auf Kunst heimischer Provenienz gewährt nicht nur ein kurzweiliges Repertoire, sondern sichert den Teilnehmern auch den wirtschaftlichen Erfolg. Andernfalls wären nicht zwei Drittel der Aussteller von der ersten Auflage an dabei und brächten Neuzugänge - heuer etwa Meyer Kainer, Layr, Gabriele Senn oder Martin Janda - nicht die erfrischende Dosis an Abwechslung. Das Publikum will Bekanntes mit Wiedererkennungswert und bekommt mit Kokoschka, Weiler oder Hammerstiel, mit Nitsch, Rainer und Prachensky oder Kienzer, Gangl und Kolig genau das. Das Publikum braucht jedoch auch leicht Bekömmliches wie humorige Glas-Aliens (Kovacek-Zetter), die sich ihres italienischen Designers Massimo Lunardon wegen wohl hierher verirrt haben dürften.

In Murano entstanden wiederum Sabine Wiedenhofers Glas-Cubes, die in kleinen (Vierergruppe für 1500 Euro) und großen TriBeCa-Formationen (Kovacek Spiegelgasse Contemporary) ebenso neue Besitzer suchen wie elegante Skulpturessenzen von Hubert Hanghofer, wahlweise in Bronze oder Edelstahl (Kunsthaus Wiesinger).

Das Publikum will aber auch Korrespondenzen zu internationalen Präsentationen oder zum derzeitigen Ausstellungsgeschehen: etwa Arbeiten von Biennale-Teilnehmern, darunter Aron Demetz (aus Lindenholz gearbeitete Skulpturen) oder (Korrekturband-Arbeiten von) Thomas Riess.

Riess' kleines Hofratformat wechselte im Zuge der Vernissage den Besitzer, für die noch verfügbaren drei Meter hohen Anzugträger (8800 Euro) können sich allerdings nur Institutionen, Altbaumieter oder Lofteigner ernsthaft interessieren.

Analog zu Deborah Sengls derzeitigem Rattenfaible (Die letzten Tage der Menschheit, Essl-Museum, bis 25. 5.) trifft man hier auf die vordergründig manierlich wirkenden Gartenzwerge (Galerie Walker) aus der Serie Markenwelten von 2007 (10.000 Euro).

Rutschiges Kunstparkett

Passend zu seinem Kuratorenengagement im 21er-Haus (Siehe, was dich sieht, bis 25. 5.) kreierte Franz Graf eine Installation, die (bei Krinzinger) querfeldein durch die jüngere heimische Kunstgeschichte und unterschiedliche Preisklassen führt. Womöglich ein, wenn nicht der heiße Anwärter auf den Art Austria Award in der Kategorie "Anerkannt. Etabliert".

Was das Publikum irritiert: wenn es, ja, kompliziert wird, wenn man bewundern will, aber mangels entsprechender Hinweise zum Rätseln verdonnert wird. Ist das nun eine mehrteilige Installation, oder gibt es die Werke einzeln, von wem sind diese tiefsinnigen, durchaus unterhaltsamen Collagen und all das andere hier Präsentierte? Das weiß man doch, lautete die lapidare Antwort bei Zimmermann-Kratochwill. Neukunden, um die hier alle buhlen, scheinen eben nicht auf jedermanns Agenda zu stehen. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 5./6.4.2014)

  • Sabine Wiedenhofers 88-teilige "TriBeCa"-Formation, eine in Murano ausgeführte Huldigung an den New Yorker Stadtteil in Manhattan.
    foto: galerie kovacek spiegelgasse

    Sabine Wiedenhofers 88-teilige "TriBeCa"-Formation, eine in Murano ausgeführte Huldigung an den New Yorker Stadtteil in Manhattan.

  • Die "österreichische" Version von Max Ernst, mit einem Kaufpreis von 28.000 Euro nur deutlich günstiger: André Verlon experimentierte schon sehr früh mit der (ebenfalls vom Surrealisten verwendeten) Frottagetechnik, hier das knapp zwei Meter hohe energetische Monumentalwerk "Science".
    foto: kunsthandel hieke

    Die "österreichische" Version von Max Ernst, mit einem Kaufpreis von 28.000 Euro nur deutlich günstiger: André Verlon experimentierte schon sehr früh mit der (ebenfalls vom Surrealisten verwendeten) Frottagetechnik, hier das knapp zwei Meter hohe energetische Monumentalwerk "Science".

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