Angriff auf Aktivistin der "Offensive gegen Rechts"

4. April 2014, 14:18
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Ein Fenster von Natascha Strobl wurde eingeschossen, die Betroffene spricht von einem Einschüchterungsversuch

Das Küchenfenster von Natascha Strobl, Aktivistin der "Offensive gegen Rechts" und Mitautorin eines Buchs über die rechte Jugendbewegung "Die Identitären", ist kürzlich eingeschossen worden. Eine Scheibe des Doppelglasfensters wurde durchlöchert und ist zersprungen. Das Loch entdeckte Strobl am vergangen Montag, den 31. März 2014.

Stimmungsmache im Internet

"Es ist kein Zufall, dass es meine Wohnung erwischt hat", sagt Strobl. "Durch meine medial exponierte Rolle während der Proteste gegen den WKR- beziehungsweise Akademikerball war ich vielen Anfeindungen ausgesetzt. Am schlimmsten war es rund um meinen ORF-Auftritt bei 'Im Zentrum', als mich sogar der Pressesprecher des FPÖ-Nationalratsklubs via Twitter beschimpft hat."

Burschenschaften verbreiteten während der medialen Debatte über die Proteste gegen den Akademikerball Ende Jänner Fotos von Strobl via Facebook und Twitter. Auch die Facebook-Seite "Solidarität mit der Polizei" veröffentlicht ihren Klarnamen und ihr Bild, die Zeitschrift "Sezession" macht regelmäßig Stimmung gegen sie. "Weiters hat der 'Verein der Freunde der Tagespolitik' einige üble Posts gegen mich mit vollem Namen geschrieben. Dazu kommt, dass die 'Identitären' meine Aktivitäten sehr genau beobachten und Veranstaltungen, bei denen ich Vorträge halte, stören", so Strobl gegenüber daStandard.at.

Verfassungsschutz verständigt

Die Polizei ermittelt nun, auch der Verfassungsschutz wurde verständigt. "Das ist Standard bei solchen Vorfällen im Zusammenhang mit politisch aktiven Personen", sagt Polizeipressesprecher Thomas Keiblinger. Strobl hatte vorerst eine "Bagatellisierung" des Vorfalls durch die Polizei kritisiert. Keiblinger dazu: "Es handelt sich hier um eine Sachbeschädigung mit unbekanntem Täter in einem vergleichsweise langen möglichen Tatzeitraum. Wir haben keinen konkreten Verdacht, keine Zeugen und wenige Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen."

Ein Projektil wurde weder zwischen den Fensterscheiben noch auf der Straße gefunden. "Die Polizei schließt trotzdem nicht aus, dass es sich um einen Schuss etwa aus einem Luftdruckgewehr handelt", sagt Keiblinger. Strobl nimmt an, dass das Projektil nach außen abgeprallt und verloren gegangen ist. "Es handelt sich aufgrund der Natur des Einschussloches vermutlich um einen Schuss aus einem Luftdruckgewehr", meint Strobl.

"Denunziation und Einschüchterung"

Während der Proteste gegen den Akademikerball wurden Demonstranten etwa durch Reizgaseinsätze der Polizei verletzt. Weiters gingen Schaufensterscheiben zu Bruch, und ein Polizeiauto wurde beschädigt. Infolge dessen hatten österreichische Medien die Randale verurteilt und die Aktivisten zur Verantwortung gezogen. Der Klarname einer anderen österreichischen Aktivistin etwa wurde in diesem Zusammenhang im "Kurier" veröffentlicht. "Hier zeigt sich, was passiert, wenn AntifaschistInnen denunziert und eingeschüchtert werden und wie gefährlich eine Rechte ist, die medial Rückendeckung bekommt", schreibt Natascha Strobl in ihrem Blog über den Vorfall. (Olja Alvir, daStandard.at, 4.4.2014)

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