Neue Arten von Gebirgsschmetterlingen entdeckt

6. April 2014, 11:57
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Die Weibchen der Gattung Sattleria haben so stark reduzierte Flügel, dass sie nicht mehr fliegen können

Bozen - Zwei bislang unbekannte Schmetterlingsarten aus den Dolomiten Südtirols und Trients wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes des Naturmuseums in Bozen entdeckt und benannt. Die beiden Arten aus der Familie der Palpenmotten wurden Sattleria dolomitica und Sattleria sophiae benannt. Beide Arten wurden vor Kurzem in der Fachzeitschrift "Zootaxa" zusammen mit zwei ebenfalls neuidentifizierten Arten vom Balkan beschrieben.

Sattleria dolomitica wurde bereits 1876 nahe Schluderbach bei Toblach entdeckt, damals aber fehlerhaft einer anderen, bereits bekannten Art zugeordnet. Mit neuen Präparationstechniken und genetischen Methoden habe nun festgestellt werden können, dass es sich dabei um eine bisher für die Wissenschaft neue und unbekannte Art handelt, hieß es. Versuche, diese damals entdeckte Art wiederzufinden, scheiterten bisher an der ungenauen Lokalitätsangabe von 1876. Im Gegensatz dazu wurde Sattleria sophiae erst 2012 von Giovanni Timossi im Nationalpark Paneveggio in Trient entdeckt.

Im Gebirge zuhause

Die Angehörigen der Gattung Sattleria leben in großen Höhen zwischen etwa 2.000 und 3.500 Metern. Sie haben vermutlich die letzten Eiszeiten in nicht vergletscherten Gebieten nahe den heutigen Vorkommen überdauert. Die Artbildung dürfte durch Isolation, ähnlich wie bei Inselorganismen, begünstigt worden sein. Über die Biologie dieser neuen Schmetterlingsarten sei allerdings noch nichts bekannt. Die Weibchen zeichnen sich durch stark reduzierte Flügel aus und können nicht mehr fliegen. Diese Eigenschaft könnte eine Anpassung an das raue Hochgebirgsklima, insbesondere an stürmischen Wind, sein.

Aus dem Bereich der Alpenländer sind heute rund 5.500 Schmetterlingsarten bekannt, aus Südtirol gut 3.100 Arten. Der überwiegende Teil dieser für europäische Verhältnisse enormen Artenvielfalt wurde seit dem Ende des 18. Jahrhunderts von mehreren Forschergenerationen beschrieben und mit wissenschaftlichen Artnamen versehen. Forschungsinitiativen wie die Erhebung der genetischen Vielfalt der Fauna durch das Naturmuseum Südtirol führen nun zu weiteren Neuentdeckungen schwer unterscheidbarer Arten. (APA/red, derStandard.at, 6. 4. 2014)

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