Ukrainischer Oligarch Firtasch erhielt offenbar Besuch von Klitschko

4. April 2014, 11:59
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Gasmilliardär wartet in Wien auf Auslieferung - Polizei nahm angeblichen ukrainischen Agenten fest

Der in Wien auf seine Auslieferung an die USA wartende ukrainische Oligarch Dmitry Firtasch soll nach seiner Verhaftung Kontakte zu maßgeblichen Politikern in Kiew gepflegt haben. Das berichtet die "Presse" nach einem Bericht der Zeitung "Österreich" am Freitag. Firtasch traf demnach den Parteiführer Witali Klitschko und den Präsidentschaftskandidaten Petro Poroschenko sowie Ex-Präsident Leonid Krawtschuk.

Die Treffen sollen nach der Enthaftung Firtaschs erfolgt sein. Danach soll Klitschko seinen Rückzug von der Präsidentschaftskandidatur und seine Unterstützung Poroschenkos verkündet haben. Nach Angaben der "Presse" bestätigten "Behörden" die Information. 

Gerichtssprecherin Christina Salzborn sagte am Freitag, sie habe keine Informationen über ein solches Treffen. Die Justiz mache grundsätzlich keine Angaben darüber, von wem Inhaftierte besucht werden - im Gegensatz zu anderen Fällen habe der Oligarch über den "offenen Besuch" ohne Einwilligung des Richters aufgesucht werden können. Wen er nach seiner Freilassung getroffen habe, darüber könne keine Angabe gemacht werden. Firtasch-Sprecher Daniel Kapp gab zunächst keine Erklärung ab.

Rekordkaution entrichtet

Der Gasmilliardär war am 12. März am Sitz seiner österreichischen Firmenniederlassung in Wien auf einen US-Haftbefehl hin festgenommen worden. Das Gericht setzte die in der österreichischen Rechtsgeschichte einzigartige Kaution von 125 Millionen Euro fest, die Firtasch binnen weniger Tage hinterlegte und daraufhin freikam. Die Staatsanwaltschaft in Chicago wirft Firtasch, der in der Ukraine politisch bestens vernetzt ist, Korruption bei Auslandsgeschäften vor. Die US-Behörden betonen, die Strafverfolgung habe nichts mit aktuellen Ereignissen in der Ukraine zu tun.

Firtasch wartet nun weiter in Österreich auf seine Auslieferung an die USA. Darüber sei noch nicht entschieden worden, sagte Salzborn. Zeitungsberichten, wonach Firtasch sich an einem "geheimen Ort" aufhalte, widersprach sie. Sein Aufenthaltsort sei dem Gericht bekannt und er sei für dieses erreichbar, betonte Salzborn. Er habe sich auch wiederholt selbst beim Gericht gemeldet.

Agent festgenommen

Jene Polizisten der Spezialeinheit Cobra, die Firtsch im März verhafteten, haben unterdessen in der Wiener Innenstadt einen angeblichen Agenten festgenommen, von dem sie sich verfolgt fühlten. Laut Berichten von "Kronen Zeitung" und "Kurier" glaubten die zwei Beamten am Donnerstag, von einem Mann observiert zu werden - und nahmen ihn in Gewahrsam.

Bei einer anschließenden Vernehmung gab der ukrainische Staatsbürger laut "Krone" an, für den ukrainischen Auslandsgeheimdienst gearbeitet zu haben. Offenbar widersprach er diesen Angaben aber wenig später selbst. Auch soll er behauptet haben, Diplomat zu sein, berichtete der "Kurier". Von den Behörden hieß es gegenüber der APA, der Mann sei überprüft worden und lebe seit Jahren in Wien. Er wurde freigelassen und auf freiem Fuß angezeigt. In den Zeitungsberichten heißt es, das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ermittle nun. (APA, 4.4.2014)

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