Geldwäscheverdacht bei Ex-Telekom-Finanzchef

4. April 2014, 15:01
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Da ein Zeuge erkrankt ist, muss Richterin Moravec-Loidolt das Urteil im Telekom-V-Prozess doch aufschieben

Wien - Einmal mehr brachte der Telekom-V-Prozess rund um den Verkauf einer Telekom-Luxusimmobilie am Wiener Schillerplatz Erstaunliches zutage. Auf Befragung durch die Staatsanwaltschaft musste der angeklagte Ex-Telekom-Finanzchef Stefano Colombo einräumen, dass es gegen ihn eine Anzeige wegen Geldwäscheverdachtes gibt, weil er 1,18 Mio. Euro in bar bei der Deutschen Bank in Österreich eingezahlt hat.

Colombo bestätigte die Höhe der Bareinlage und auch, dass diese in mehreren Tranchen erfolgte. Der Höchstbetrag einer einmaligen Einzahlung hat 400.000 Euro betragen. Als Staatsanwalt Michael Radasztics von Colombo wissen wollte, woher das Geld kam, wurde der Italiener schweigsam und verwies auf die laufenden Ermittlungen der Finanzbehörden. "Ich bin dabei, das dem Finanzamt zu erklären", so Colombo.

Die Überweisungen erfolgten in den Jahren 2005 bis 2007. Die Schillerplatz-Immobilie wurde 2006 vom damaligen ÖBB-Chef Martin Huber und dessen Ehefrau erworben. Den Kaufvertrag haben Colombo und der seinerzeitige Telekom-Chef Heinz Sundt unterschrieben. Dies war übrigens der einzige von 49 Immodeals, bei dem die beiden Vorstände den Vertrag unterfertigten.

"Schlechte Erfahrungen mit Huber"

Erhellendes kam auch schon vor der Befragung von Colombo durch den Staatsanwalt zutage. So hat der Zeuge T. heute über seine schlechten Erfahrungen mit Huber berichtet. Huber trat nämlich zunächst als sein möglicher Partner auf, hat ihm dann aber den Schillerplatz weggeschnappt.

Mit seiner Gesellschaft Global Equity hatte der Zeuge im Februar 2004 ein Angebot über drei Telekom-Immobilien abgegeben: Die Häuser am Schillerplatz, in der Berggasse und in der Lehargasse wollte er bzw. sein Unternehmen zur Gänze um 23,1 Mio. Euro kaufen. Huber war damals als "möglicher Partner" und Berater schon vor der Angebotslegung am 12.Februar 2004 dabei, so der Zeuge. Ein Manager-Kollege habe Huber, seinen Golfpartner, dazugebracht, um einen "Profi" dabeizuhaben. Eigentlich war Huber damals Vorstand der Baugesellschaft Porr, erst im November 2004 kam er an die Spitze der ÖBB.

Nach - laut dem Zeugen erfolgsversprechenden - Gesprächen mit der Telekom und Besichtigungen der Objekte wurde der Schillerplatz plötzlich von der Telekom ohne Begründung aus dem Paket ausgeschieden. Darüber sei er "ziemlich angefressen" gewesen, so der Zeuge. Später erfuhr er dann den wahren Grund: Sein früherer Berater Huber hatte Teile des Gründerzeitpalais am Schillerplatz selber von der Telekom gekauft. Huber habe sein Wissen aus den Vorgesprächen, in denen er auf Seiten der Global Equity gestanden war, für sich selber genutzt, bestätigte der Zeuge heute. Die Telekom habe ihm auch keine Chance gegeben, mehr für das Palais zu bieten. Er hätte auch - so wie Huber - nur einen Teil des Hauses gekauft.

Vorwurf der Beihilfe zur Untreue

Huber und seine Ehefrau kauften Ende 2006 um 5,4 Mio. Euro einen Teil des Gründerzeit-Palais von der Telekom und verkauften ihn ein knappes Jahr später um fast 11 Mio. Euro an die Seeste Bau weiter. Huber agierte verdeckt über einen Treuhänder und eine Projektentwicklungsgesellschaft. Die Anklage wirft dem Ehepaar Huber Beihilfe zur Untreue der Ex-Telekom-Manager Heinz Sundt und Colombo vor, diese hatten das Kaufangebot ohne aktuelles Verkehrswertgutachten unterschrieben und laut Anklage die Immobilie zu billig verkauft. Alle vier Angeklagten bestreiten die Vorwürfe.

Die Global Equity hatte zur Zeit ihres Angebots den Wert des ganzen Schillerplatz-Palais gegenüber der Bank Austria (die die Finanzierung abwickeln sollte) mit 15 Mio. Euro beziffert. Intern sei man damals von 12,76 Mio. Euro ausgegangen. Damit habe man noch Luft nach oben haben wollen, um mehr bieten zu können, erläuterte der Zeuge heute. Immobilienbewertungen seien aber schwierig: Man finde immer einen, der ein Haus doppelt einschätze, und einen anderen, der den Wert bei der Hälfte festlege, meinte der Zeuge.

Einen zweiten Gutachter wird es im Prozess nicht geben, stellte Richterin Claudia Moravec-Loidolt klar. Nächsten Freitag, dem 11. April, wird der Prozess im Wiener Straflandesgericht fortgesetzt, dann könnte auch das Urteil fallen. Ein Zeuge, der sich selbst bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hatte, weil er aussagen wolle, war heute erkrankt und wird nun für nächste Woche erneut geladen. Auch er soll sich beim Verkauf übergangen gefühlt haben.

Colombo wurde bereits - nicht rechtskräftig - wegen einer Kursmanipulation bei der Telekom zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Damals wie heute sitzt er neben Sundt auf der Anklagebank. Sundt wurde vom Verdacht der Kursmanipulation freigesprochen. (APA, 4.4.2014)

  • (v.l.n.r.) Ex-ÖBB-Chef Martin Huber, der ehemalige Telekom-Finanzchef Stefano Colombo und der ehemalige Telekom-Chef Heinz Sundt vor Beginn einer Verhandlung im Telekom-V-Prozess um eine Schillerplatz-Immobilie am Freitag.
    foto: apa/schlager

    (v.l.n.r.) Ex-ÖBB-Chef Martin Huber, der ehemalige Telekom-Finanzchef Stefano Colombo und der ehemalige Telekom-Chef Heinz Sundt vor Beginn einer Verhandlung im Telekom-V-Prozess um eine Schillerplatz-Immobilie am Freitag.

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