Türkei - ein hartes Pflaster für Baumärkte

4. April 2014, 09:00
21 Postings

Praktiker und Co. verlieren gegen traditionelle Verkaufswege

Wien/Klosterneuburg - Baumax ist nicht die erste Heimwerkerkette, die den Rückzug aus der Türkei antreten muss. Auch andere internationale Do-it-yourself-Ketten haben bereits das Handtuch geworfen.

Zuerst gab der deutsche Baumarktriese Praktiker im Februar 2013 sein verlustreiches Türkei-Geschäft auf. In diesem Februar ließ die französische Heimwerkerkette Leroy Merlin verlautbaren, sie werde innerhalb der nächsten sechs Monate die Depots ihrer beiden Standorte zu Schleuderpreisen leeren und sich verabschieden.

Am Dienstag dieser Woche folgte dann die Bestätigung seit längerem kursierender Spekulationen in türkischen Medien: Auch der österreichische Heimwerkerriese Baumax verlässt den türkischen Markt. Die Standorte in Samsun an der Schwarzmeerküste, zwei Filialen in Istanbul sowie die Zweigstellen Izmir, Ankara, Bodrum und Eskisehir werden zugesperrt. Wie berichtet sollen sich die Baumax-Verluste in der Türkei auf 14 Millionen Euro belaufen, offizielle Bilanzzahlen für das Geschäftsjahr 2013 liegen noch nicht vor.

60 Millionen für das Türkei-Geschäft

Baumax war im Jahr 2010 mit drei Standorten und einer Investitionssumme von 60 Millionen Euro ins Türkei-Geschäft eingestiegen. Mittelfristig wollte das Unternehmen 40 Baumärkte in der Türkei eröffnen und hatte dafür 600 Millionen Euro Investitionskosten veranschlagt. Auch Leroy Merlin wagte im selben Jahr mit ähnlichem Optimismus den Markteintritt. Beide witterten Potenzial durch das Fehlen eines etablierten Großhandels und die geringe Baumarktdichte.

Das Gesamtvolumen des türkischen Heimwerkermarkts wird auf etwa zehn Milliarden Dollar geschätzt. Der organisierte Einzelhandel sowie Großmärkte haben laut der Zeitung "Milliyet" aber nur einen Anteil von 13 Prozent am Heimwerkersektor. Der Großteil des Geschäfts wird noch immer über traditionelle Verkaufswege abgewickelt: kleine Einzelhändler um die Ecke, Gassenverkäufe oder Handwerkerbasare.

Koctas, das Gemeinschaftsunternehmen der türkischen Koc Holding und der englischen Firma Kingfisher, ist mit seinem landesweiten Filialnetz aus 41 Standorten Marktführer bei den Baugroßmärkten. Weitere Mitbewerber am türkischen Do-it-yourself-Sektor sind die türkische Baumarktkette Tekzen, das deutsche Unternehmen Bauhaus und die französische Conforama.

Aber nicht nur die internationale Heimwerkerbranche kämpft mit den schwierigen Marktbedingungen. Auch die Elektronik-Riesen Electro World und Darty haben im Vorjahr das Handtuch geworfen. Beide verkauften ihr Filialnetz an die türkische Bimeks und kehrten der Türkei den Rücken. (APA, 4.4.2014)

Share if you care.