Essls Werke sollen Baumax-Schließungen finanzieren

3. April 2014, 17:35
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Nach der Entscheidung, dass der Staat die Sammlung Essl nicht kauft, geht die Baumax-Rettungsaktion weiter

Wien - Baumax-Gründer Karlheinz Essl wird seine Kunstsammlung nun also nicht dem Staat verkaufen, die Baumarktgruppe soll verkleinert und weiter restrukturiert werden. Fix ist bisher nur eines: Aus der Türkei, wo Baumax sieben Filialen hat und der Ak- sowie der Isbank Geld schuldet, zieht man sich zurück. Das hat Essl nach dem runden Tisch mit drei Ministern am Mittwochabend verkündet. Aus Bankenkreisen ist zu hören, dass alle osteuropäischen Töchter bis auf Tschechien und Slowakei "zur Disposition" stehen.

Baumax hat eine Milliarde Euro Schulden; rund die Hälfte davon entfällt auf österreichische Banken, Kreditversicherer und Leasinggesellschaften. Größte Gläubiger sind Raiffeisen, Bank Austria und Erste Group.

Etliche der involvierten Banker sehen in dem runden Tisch, an dem auch Essl-Berater Wolfgang Rosam saß, nicht mehr als ein "Politspektakel: Da hat die Regierung dem Volk gezeigt, wie sehr sie sich für Jobs einsetzt" , ätzt einer. Während Essl davon sprach, "mit den Banken eine Lösung gefunden" zu haben, berichten Banker, die Besprechung habe "nichts Neues gebracht".

Die Financiers bleiben bei ihren Forderungen. Am 28. April (da findet die nächste Gläubigervollversammlung statt) muss Essl seinen - inzwischen: vierten - Restrukturierungsplan vorlegen. Die Kreditgeber verlangen einen finanziellen Beitrag von ihm, zudem die Hereinnahme eines Investors. Interessenten gibt es. Nur unter diesen Voraussetzungen sind sie bereit, einem etwaigen Schuldenschnitt zuzustimmen.

Das Problem, das es akut zu lösen gilt: Die Schließungen kosten viel Geld - und das ist eben nicht vorhanden. An diesem Punkt kommt erneut die Kunstsammlung der Essls ins Spiel. Einen Teil davon soll Essl an seine Geldgeber verpfänden, um im Gegenzug das akut benötigte Bare zu bekommen.

In Wiener Kunstkreisen ist zudem zu hören, dass es sehr wohl Interessenten für die gesamte Sammlung gibt, die zum Teil im Essl-Museum in Klosterneuburg ausgestellt wird. Deutsche Sammler "mit viel Geld" sollen sich für einen Ankauf erwärmen können. Essl hat aber inzwischen eine "Standortgarantie" für sein Museum abgegeben.

Getrübte Beziehung

Bei seinen Financiers hat sich der gebürtige Kärntner zuletzt nicht nur Freunde gemacht. Es habe lange gedauert, ihm klarzumachen, dass seine Kunstwerke im Fall einer Insolvenz zur Masse und nicht ihm gehören würden, erzählen Involvierte. Die Werke wurden ja in abgespaltene Gesellschaften eingebracht; im Konkursfall gilt für die aber eine fünfjährige Nachhaftung zugunsten der Gläubiger. Was Essl zudem angekreidet wird: Mit seiner Sammlung habe er sich "als Wohltäter im Dienste der Allgemeinheit dargestellt". Dass er die Sammlung mit Erlösen aus dem Baumax angekauft hat, habe er dabei "geflissentlich übersehen".

Eine Hoffnung des Unternehmers hat sich am Donnerstag zerschlagen. Erhoffte Verlängerungen der staatlich garantierten Kredite (der Steuerzahler haftet für 18 Mio. Euro) wurde vom Finanzministerium aus beihilferechtlichen Gründen ausgeschlossen. Essl selbst sieht Licht am Ende des Tunnels. Das erste Quartal 2014 sei "extrem gut" gelaufen. (Renate Graber, DER STANDARD, 4.4.2014)

Kommentar

Kunst-Schwalbe

  • Der runde Tisch zum Thema Baumax hat laut Bankern nichts Neues gebracht. Bis Ende April muss Essl einen neuen Restrukturierungsplan vorlegen.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Der runde Tisch zum Thema Baumax hat laut Bankern nichts Neues gebracht. Bis Ende April muss Essl einen neuen Restrukturierungsplan vorlegen.

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