Graz: Studenten kämpfen um Gleichberechtigung bei Öffis

3. April 2014, 16:03
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"Topticket" bekommen nur Schüler und Lehrlinge - 17.000 Unterschriften an Landtagspräsidenten überreicht

Graz - Grazer Studierende fühlen sich in Sachen Öffis gleich zweimal diskriminiert: einmal gegenüber anderen jungen Menschen in Ausbildung, also Schülern und Lehrlingen, die mit dem sogenannten Topticket um 96 Euro eine Jahreskarte erhalten, die steiermarkweit gilt. Mit dem Topticket kann man nicht nur das gesamte Bus- und Straßenbahnnetz der Landeshauptstadt nutzen, sondern den öffentlichen Verkehr in allen Zonen des Bundeslandes, also auch die ÖBB bis zu den Landesgrenzen.

Für eine dementsprechende Leistung müssten Studis, für die es die sogenannte Studienkarte gibt, satte 1.819,20 Euro auf den Tisch legen. Geld, das wenigen Studierenden zur Verfügung steht.

Diskriminierung auch gegenüber "Normalverbrauchern"

Zum Zweiten werden die Studierenden der fünf steirischen Universitäten auch noch gegenüber allen anderen, also Nichtstudenten diskriminiert. Für "Normalverbraucher" gilt nämlich, dass sie beim Kauf von Karten für 13 der insgesamt 22 Zonen des steirischen Verkehrsnetzes den Rest gratis dazubekommen, also steiermarkweit frei fahren. Für Studenten gilt das erst ab dem Kauf von 16 Zonen.

Die ÖH und der Verein Fahrgast steigen deswegen schon seit Wochen auf die Barrikaden. Politisch haben sie nicht nur die Grünen und die Kommunisten auf ihrer Seite, es gibt seit kurzem auch eine mehrheitlich verabschiedete Petition des Grazer Gemeinderats an die Landesregierung. Am Mittwoch überreichten zudem Studentenvertreter dem Landtagspräsidenten Franz Majcen (ÖVP) 17.000 Unterschriften von Personen, die ein Topticket auch für Studierende fordern.

ÖH: "Alle Parteien auf unserer Seite"

"Dabei sind eigentlich fast alle Parteien prinzipiell auf unserer Seite", sagt der stellvertretende ÖH-Vorsitzende Florian Ungerböck (GRAS) zu derStandard.at, "es gab mit allen Gespräche, alle haben sich positiv geäußert und verstanden, dass das wichtig ist." Das Problem ist allerdings wenig überraschend das liebe Geld: "Es haben auch alle aufs Budget verwiesen. Auch der Bund müsste mehr mitzahlen, weil er das Topticket und die Studienkarte mitfinanziert", sagt Ungerböck.

Topticket und Studienkarte werden aus den Töpfen des Familien- und des Verkehrsministeriums mitfinanziert.

Protestspaziergang am Montag

Am Montag wollen ÖH und Verein Fahrgast nochmals bei einem Protestspaziergang durch Graz ihrem Anliegen Nachdruck verleihen: Um 14.30 Uhr startet man beim Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität, dann wird in Richtung Landtag marschiert. (Colette M. Schmidt, derStandard.at, 3.4.2014)

  • Mit dem billigen Topticket können Grazer Schüler und Lehrlinge auch die ÖBB ohne Aufpreis benützen - für Studenten gilt das nicht.
    foto: apa/erich nährer/öbb

    Mit dem billigen Topticket können Grazer Schüler und Lehrlinge auch die ÖBB ohne Aufpreis benützen - für Studenten gilt das nicht.

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