Führerschein: Driftwinkel des Abkassierens

Kolumne4. April 2014, 17:21
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Fahrschulen nehmen für die "Perfektion" eine respektable Summe

Die Fahrbahn am Verkehrsübungsplatz war bewässert und spiegelglatt. Übungsziel: zwei Pylonen umfahren, dabei nicht von der Fahrbahn abkommen und immer schön auf das Spiel zwischen Kupplung und Bremse achten. Soll ich was sagen? Lächerlich für den betriebenen Aufwand. Der da heißt: Als Teil des Prozederes zur endgültigen Erlangung des Führerscheins sind nach ein paar Monaten zwei Perfektionsfahrten und ein Fahrsicherheitstraining Vorschrift. Bei Nichtabsolvierung geht die Fahrlizenz flöten.

Nun charakterisierte pikanterweise sogar eine Fahrschulangestellte die beiden Fahrten mit: "Einfach nur Abzocke!" Das nennt sich auf den Punkt gebracht. Man könnte auch vom Driftwinkel des Abkassierens sprechen. Zwei idente "Spazierfahrten" lässt man sich mit jeweils 90 Euro honorieren. 

Halbherzig und trocken

Im Preis inbegriffen sind klassische Fahrschulfloskeln wie "Da musst schon aufpassen" oder "Wo ist der Seitenabstand?" Nicht auszudenken, wie jemand den täglichen Verkehr ohne diese weisen(den) Worte meistern kann. Die Fahrtanalyse arbeitete der Fahrlehrer dann in kaum zwei Minuten halbherzig und trocken ab.

Die Verpflichtung zu einem Fahrsicherheitstraining wiederum (kostet ebenfalls 180 Euro fällig) leuchtet ein. Prinzipiell klug, mit Gefahrensituationen konfrontiert zu werden. Doch alles auf drei praktische Übungen und ein verkehrspsychologisches Gruppengespräch beschränken und dafür abkassieren? Wenn schon 360 Euro, dann könnte man die auch sinnvoller investieren - zum Beispiel in ein profundes Drift- oder Winter-Training, wo man wirklich was für den Alltag lernt. (stal, DER STANDARD, 4.4.2014)

  • Driften hinterlässt Spuren. Auf der Straße. Oder im Geldbörsel.
    foto: apa/bothma

    Driften hinterlässt Spuren. Auf der Straße. Oder im Geldbörsel.

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