Die drei Affen und das Schweigen der Motoren

3. April 2014, 14:49
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Die Formel 1 geht recht ungeniert in ihren zehnten GP von Bahrain. Deutlich mehr als um die Menschenrechtssituation im Land sorgt man sich um das eigene Produkt, das zuletzt in Malaysia gepflegte Langeweile verbreitete

Manama - Kommt die Formel 1 nach Bahrain, setzt die Staatsgewalt im Königreich anders als die motorisierten Gäste auf Aufrüstung. Ein massives Polizeiaufgebot soll Proteste gegen die Menschenrechtsverletzungen im Land vor den Augen der Welt verhindern. Die Protagonisten des Zirkus, der heuer zum zehnten Mal auf dem Bahrain International Circuit Station macht, halten es seit der einmaligen Absage des Rennens 2010 ohnehin traditionell mit Mizaru, Kikazaru und Iwazaru, den drei Affen.

Wenn doch einer spricht, dann zur Rechtfertigung. "Überall auf der Welt gibt es politische Probleme, in Asien, im Nahen Osten, ja selbst in Europa", sagte etwa Jean Todt, der Präsident des internationalen Automobilverbandes (Fia), jüngst der Welt am Sonntag. "Wir müssen aufpassen, dass wir die nicht mit den sportlichen Belangen vermischen."

Viel größere Sorgen macht sich Todt über die Kritik am aktuellen Produkt Formel 1. Die kommt vor allem von Chefvermarkter Bernie Ecclestone und von Luca di Montezemolo. Der 66-jährige Ferrari-Präsident, der schon vor der Saison langweilige "Taxifahrten" befürchtet hatte und zuletzt beim langweiligen Grand Prix von Malaysia darin bestätigt worden war, teilt die Meinung des 83-jährigen Briten, dass das neue Reglement mit den V6-Turbomotoren, deren komplexen Hybrid-Antrieben und deren Spritlimitierungen der Serie jegliche Spannung nehme.

"Wir haben die Verantwortung, mit der Zeit zu gehen", verteidigte Todt zwar das von der Fia diktierte Reglement. Es sei schließlich wichtig, dass die Formel 1 ihren Benzinverbrauch mit innovativer Technik reduziere. "Wenn wir diesen Weg nicht gegangen wären, hätten sich einige Hersteller vielleicht verabschiedet."

Wider das Wettschleichen

Da aber Ecclestone und Di Montezemolo fürchten, dass sich erst noch mehr Zuschauer und in weiterer Folge die Sponsoren verabschieden, wenn die sogenannte Königsklasse zu einem Wettschleichen nach dem Muster von Gleichmäßigkeitsbewerben wird, hat Todt die beiden zu einem Krisengipfel am Rande des Grand Prix am Sonntag geladen.

Am einfachsten wäre, das Limit für die Spritdurchflussmenge - maximal 100 Liter pro Stunde - anzuheben. In der Folge könnten die Piloten eher an ihr Limit gehen. Den neuen Motoren jenen Sound zu verleihen, den die Zuseher angeblich wünschen, dürfte deutlich schwieriger sein. Die auf maximal 15.000 gedrosselte Drehzahl und leise Turbos mit nur einem Auspuff führen in Kombination zum "Ergebnis, das man eben hat", sagte Remi Taffin, Renaults Verantwortlicher an den Rennstrecken. (APA, sid, red, DER STANDARD, 3.4.2014)

  • Fahrende Automesse.
    foto: apa/ap/thian

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