PH Tirol: Hochschulrat spricht Rektor Misstrauen aus

3. April 2014, 14:08
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Vertrauen in Rektor Juranek sei "nicht mehr vorhanden", der sieht sich"keiner Schuld bewusst"

Innsbruck - Bei der in heftigen Turbulenzen steckenden Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT) ist am Donnerstag eine Prüfung der Finanzgebarung in größerem Umfang in Aussicht gestellt worden. Der vom Bildungsministerium für die "Sanierung" der Hochschule bestellte Herbert Gimpl kündigte an, "unter Umständen" beim Ministerium um einen erweiterten Prüfantrag anzusuchen.

Bei einem Stattgeben des Antrags wäre es der mit der Prüfung der Geschäftsgebarung der Hochschule bereits beauftragten Bundesbuchhaltungsagentur möglich, auch die Konten und Bewegungen im Rahmen der eigenen Geschäftsfähigkeit der PHT zu durchleuchten. Der vom Bildungsministerium Mitte März in Auftrag gegebene Prüfungsbericht werde am 25. April übermittelt, teilte Gimpl mit.

"Interessante Aspekte", "auffällige" Dinge

Bisher habe es bereits eine umfangreiche Prüfung gegeben. "Dabei sind einige interessante Aspekte zutage getreten", erklärt der ehemalige amtsführende Salzburger Landesschulratspräsident. Es gebe Dinge, die "auffällig" seien. Es sei sicher mit "Anregungen" in punkto Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit zu rechnen.

Auf die Frage, ob es wahrscheinlich sei, dass Rektor Markus Juranek - der bei der Pressekonferenz ebenfalls anwesend war - auch nach Vorliegen des Berichts weiter Rektor bleiben werde, wollte Gimpl nicht konkret antworten. Es gelte den Endbericht abzuwarten, diesen zu analysieren und dann "Schlussfolgerungen" zu ziehen. Einen bereits entstandenen Schaden für die PHT wollte er nicht dezidiert sehen. Das Bildungsministerium hatte durch seine Sprecherin mitteilen lassen, dass die Prüfung durch die Bundesbuchhaltungsagentur veranlasst worden sei, um "noch mehr Schaden zu vermeiden".

"Sehr schiefe Optik"

Eine "sehr schiefe Optik" sah Gimpl beispielsweise in einem von der Hochschule mit einem Architektenbüro geschlossenen Vertrag über den Bau bzw. Umbau der Schule. Dabei schien offensichtlich der mittlerweile pensionierte Verwaltungsdirektor als Baubeauftragter auf. Dass die Vizerektorin für Studienangelegenheiten, Andrea Gandler-Pernlochner, an der eigenen Hochschule studierte, sei inzwischen "abgestellt" worden, erklärte Gimpl. Sollten im Prüfbericht "Fälle von Nepotismus und Freunderlwirtschaft" festgestellt werden, werde es jedenfalls "keine Toleranzen" geben. Er bezeichnete sich als "Projektleiter" und Geschäftsführer mit einer Weisungsbefugnis für alle Mitarbeiter und Führungsspitzen.

Die Qualität der Ausbildung an der PHT könne jedenfalls garantiert werden, betonte der nunmehrige Vizepräsident des Salzburger Landesschulrats. Die Fort- und Weiterbildung werde im Wintersemester 2014/15 stattfinden, man müsse lediglich mit "sehr moderaten Rückgängen" rechnen. Die vorliegenden Plandaten würden österreichweit einen Rückgang von rund zehn Prozent vorsehen, in Tirol sei voraussichtlich mit nicht einmal zehn Prozent zu rechnen. Alle "Zukunftsprojekte" in diesem Bereich könnten jedenfalls laut Gimpl angeboten werden.

Dankbarer Rektor für "Verstärkung des Führungsteams"

Juranek erklärte, er sei "sehr dankbar" dass mit der Entsendung Gimpls eine ""Verstärkung des Führungsteams" durch das Ministerium genehmigt worden sei. Er betonte einmal mehr, "nach bestem Wissen und Gewissen" gehandelt zu haben: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst". Die Prüfung der Bundesbuchhaltungsagentur sei etwas "ganz Normales", diese sei der "Steuerberater des Staates".

Juranek selbst kommt aber offenbar weiter unter Druck. Am Donnerstag erklärte der Vorsitzende des Hochschurates, Reinhold Wöll, das Vertrauen des Rates in den Rektor sei "nicht mehr vorhanden". Dieses "mangelnde Vertrauen" sei auch der Grund für diverse Schreiben des Hochschulrats an das Bildungsministerium gewesen. Man habe dem Ministerium bereits im vergangenen Oktober "alle Dinge" zur Prüfung vorgelegt.

 

"Alles auf dem Tisch"

Über die Zukunft Juraneks nach Vorliegen des Prüfberichts der Bundesbuchhaltungsagentur Ende April wollte sich Wöll nicht äußern. Dies sei Sache des Ministeriums als Exekutivorgan. Der Hochschulrat, dem auch Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) angehört, sei schließlich lediglich ein Aufsichtsorgan. "Für uns liegt alles auf dem Tisch", fügte der Vorsitzende hinzu.

 

Voll des Lobes zeigte sich Wöll über die Entsendung Herbert Gimpls als interimistischer Geschäftsführer an die PHT. Er wolle dem Ministerium danken, Gimpl sei ein "kompetenter, sachkundiger und freudig erwarteter Mann".

 

Neuwahl der Studienkommission

Der Hochschulrats-Vorsitzende kündigte überdies an, dass die Neuwahl der zurückgetretenen Studienkommission in der kommenden Woche ausgeschrieben werde. Die Mitglieder der Kommission hätten sich dazu bereit erklärt, sich der Wahl erneut zu stellen. Die Studienkommission war zurückgetreten, weil sie an der PH Tirol nach eigenen Angaben keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine qualitätsvolle Umsetzung für die neue Pädagogenausbildung vorfand. (APA, 03.04.2014)

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