Frühling bei Passard

3. April 2014, 13:16
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Warum ein Mittagessen im Dreisternrestaurant Arpège von Alain Passard ganz und gar unvernünftig - und gerade deshalb schwer zu empfehlen ist

In Paris explodiert der Frühling nochmal anders als bei uns. Das macht übermütig, was gut ist, verführt aber auch zum Luxus, was schlecht ist. Wenn auch nur fürs Portemonnaie. Wer in der Lotterie gewonnen hat oder es sich zumindest einen Vormittag lang fest einbilden kann, der sollte den Pariser Frühling bei Alain Passard zum Déjeuner bitten. Das ist zwar unvernünftig teuer, speziell wenn man à la carte speist und das Mittagsmenü um mickrige 140 Euro links liegen lässt - eine klare Erbsensuppe mit verschiedenen Gemüseravioli etwa schlägt dann ganz en passant mit 78 Euro zu Buche.

Zuckendes Gemüse

Aber auch erschütternd schön und gut. Passard, der bis vor zehn Jahren als größter Rôtisseur der Neuzeit gehandelt wurde, hat sich seitdem stark aufs Gemüse verlegt, drei Gemüsegärten in dreierlei Regionen angelegt. Seither verkocht er Grünzeug von einer Lebhaftigkeit, dass man es auf der Zunge buchstäblich noch zucken spürt. Beachtlich ist der Purismus, mit dem Passard zugange ist: Mehr als zwei, drei Zutaten wird man nie auf dem Teller finden. Die Gerichte sind dafür von einer Eleganz, die die Seele rührt. So feiert man wie ein Krösus, um hernach geläutert und geklärt wie ein - nicht ganz schlecht genährter - Mönch von dannen zu tänzeln. Oh, Frühling! (DER STANDARD, 29.3.2014)


Restaurant Arpège, 84, rue de Varenne, 75008 Paris, Mo-Fr mittags und abends, www.alain-passard.com

  • Junges Gemüse schmeckt in Paris noch einmal so gut.
    foto: reuters/wojazer

    Junges Gemüse schmeckt in Paris noch einmal so gut.

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