Teilstaatliche ÖVAG braucht vielleicht mehr Kapital

3. April 2014, 10:51
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ÖVAG-Chef Koren will die Steuerzahler nicht neuerlich belasten, die Bank stehe aber vor großen Herausforderungen

Wien - Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG), das teilverstaatlichte Spitzeninstitut der Volksbanken-Gruppe, hat im Geschäftsjahr 2013 wie erwartet einen Verlust von 224 Millionen Euro geschrieben, auf Konzernebene waren es 100 Millionen Euro. Trotz "zufriedenstellender Bilanz" wird ein künftiger Kapitalbedarf nicht ausgeschlossen. "Mein Ziel ist es, den Volksbanken-Verbund ohne neuerliche Belastung der Steuerzahler langfristig zukunftssicher zu machen", sagte ÖVAG-Generaldirektor Stephan Koren am Donnerstag anlässlich der Bilanzpräsentation.

Seit der Teilverstaatlichung vor zwei Jahren wurde die Bilanzsumme des Konzerns von 41,1 auf 20,9 Milliarden Euro fast halbiert. Die risikogewichteten Aktiva (RWA) konnten von 26,3 auf 11,3 Milliarden Euro reduziert werden. Beides liegt laut ÖVAG deutlich besser als im Restrukturierungsplan der EU-Kommission für 2013 vorgesehen, nämlich 26,8 Milliarden bei der Bilanzsumme und 17,4 Milliarden bei den RWA.

Dementsprechend ist die Eigenmittelquote (nach Basel II) von 12,7 Prozent im Jahr 2011 auf 15,7 Prozent im Jahr 2012 und auf 19,1 Prozent im Jahr 2013 gestiegen. Die Eigenmittelquote im Volksbanken-Verbund sei mit 14,9 Prozent zufriedenstellend. Auch nach Basel III liege sie im Verbund derzeit ungeprüft mit 14,6 Prozent deutlich über den Anforderungen. "Diese Zahlen belegen, dass es gelungen ist, den Abbauprozess schneller und vor allem kapitalschonender voranzutreiben als vorgegeben. Somit kann von einer erfolgreichen Sanierungsbilanz gesprochen werden", so Koren.

Herausforderungen

Für die Zukunft sieht das Management große Herausforderungen: Aufgrund der geplanten massiven Eigenmittelanforderungen der Finanzmarktaufsicht FMA auf 13,6 Prozent müsste der Volksbanken-Verbund weit mehr Eigenkapital vorhalten als auf Basis der bisher geltenden Eigenmittelquote von acht Prozent.

Verschärft werde die Situation durch das geplante unvermeidlich Absinken der Eigenmittelquote aufgrund des Wegfalles des staatlichen Partizipationskapitals in 2017 bzw. 2018, sowie negativer Auswirkungen durch die Basel III-Regeln. Weiters könnten höhere Kostenbelastungen durch den Abbau des Restportfolios nicht ausgeschlossen werden.

Der geplante Umbau des Volksbanken-Verbunds soll zu "signifikanten Ergebnisbeiträgen führen und die Kapitalmarktfähigkeit verbessern", so das Management. Ziel sei eine schlagkräftige und attraktivere Bankengruppe, die zunehmend fähig werde sollte, frisches Eigenkapital von Investoren aufnehmen zu können. Das Ergebnis der Neuausrichtung soll eine Gruppe von starken Regionalbanken mit der ÖVAG als zentrales Spitzeninstitut sein.

Details

Im Detail ist im ÖVAG-Konzern der Zinsüberschuss im Vergleich zum Vorjahr um 33 Mio. auf 189 Mio. Euro und der Provisionsüberschuss um 28 Millionen auf 30 Millionen Euro zurückgegangen. Der Personalstand verringerte sich in den letzten beiden Jahren um 185 Vollzeitäquivalente im Konzern und 140 im Einzelinstitut. Er beträgt nunmehr 1.853 beziehungsweise 661.

Die Kreditrisikovorsorgen verminderten sich zum Vorjahr von 367 auf 23 Millionen Euro. Das sonstige betriebliche Ergebnis lag bei 157 Millionen Euro.

Vor allem die Abschreibung der VB Romania führte zu einer Belastung von 160 Millionen Euro beim Ergebnis von at equity bewerteten Beteiligungen. (APA/red, derStandard.at, 3.4.2014)

  • Das Institut steht zu 43,3 Prozent in Staatsbesitz. Die regionalen Volksbanken halten 51,6 Prozent.
    foto: apa/neubauer

    Das Institut steht zu 43,3 Prozent in Staatsbesitz. Die regionalen Volksbanken halten 51,6 Prozent.

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    grafik: apa
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