Polizisten in Ukraine wegen Verdachts auf Massenmord verhaftet

3. April 2014, 10:32
573 Postings

Generalstaatsanwaltschaft: Berkut-Bereitschaftspolizei wurde für Sondereinsätze ausgebildet und vom damaligen Präsidenten Janukowitsch überwacht

Kiew - In der Ukraine sind zwölf Mitglieder der inzwischen aufgelösten Berkut-Bereitschaftspolizei wegen des Verdachts auf Massenmord während der Proteste gegen die Regierung verhaftet worden. Den Polizisten wird vorgeworfen, friedliche Demonstranten erschossen zu haben, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag sagte.

Es handle sich um Mitglieder der "Schwarzen Einheit", einer Spezialtruppe innerhalb der Berkut (Steinadler). "Die Polizisten wurden für Sondereinsätze ausgebildet, zu denen auch die Tötung von Menschen gehört", sagte der Sprecher. "Sie wurden direkt vom Präsidialamt überwacht."

Mehr als 100 Tote

Mehr als 100 Menschen kamen bei den Demonstrationen gegen den damaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch in der Hauptstadt Kiew ums Leben, viele, darunter auch Polizisten, wurden von unbekannten Scharfschützen erschossen. Von der neuen Regierung wurden dafür die Mitglieder der Berkut verantwortlich gemacht. Die Polizeiorganisation wurde Ende Februar aufgelöst.

Gegründet wurde die 3.000 Mann starke Einheit vor allem zur Verbrechensbekämpfung in der Ukraine. Die Berkut-Angehörigen trugen gefleckte Tarnanzüge und waren auch mit Schnellfeuerwaffen und Schützenpanzerwagen ausgerüstet. Viele Mitglieder der Sonderheit klagten allerdings, dass ein vergleichsweise niedriges Gehalt von umgerechnet 350 Euro im Monat kaum einen engagierten und effektiven Staatsschutz fördere.

Neben den Berkut- gibt es noch die Tiger-Einheiten in schwarzen Uniformen. Sie wurden ebenfalls eingesetzt, um Demonstranten in Kiew zurückzudrängen. Die verschiedenen mit Raubtiernamen bezeichneten Formationen waren nach dem Zerfall der Sowjetunion bereits Anfang der 1990er-Jahre entstanden. 

Russland kündigt Truppenabzug an

Die russische Regierung kündigte unterdessen einen Abzug ihrer Truppen von der Grenze zur Ukraine an. Die Soldaten würden in die Kasernen zurückkehren, sobald die derzeitigen Manöver beendet seien, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag. Zugleich forderte er von der NATO Informationen über deren militärische Aktivitäten in Osteuropa.

Erst am Mittwoch hatte NATO-Oberkommandant Philip Breedlove vor einer "unglaublich besorgniserregenden" Lage an der russisch-ukrainischen Grenze gewarnt. Mit den dort konzentrierten Truppen könne Russland binnen weniger Tage alle seine möglichen Ziele in der Ukraine erreichen. Die russische Regierung warf der NATO im Gegenzug vor, zur Sprache des Kalten Krieges zurückzukehren. Lawrow forderte daraufhin eine Deeskalation in der Kommunikation zwischen beiden Seiten. (APA, 3.4.2014)

  • Gedenkstätte für die bei den Protesten gegen die Janukowitsch-Regierung ums Leben Gekommenen am Unabhängigkeitsplatz in Kiew.
    foto: epa/photomig

    Gedenkstätte für die bei den Protesten gegen die Janukowitsch-Regierung ums Leben Gekommenen am Unabhängigkeitsplatz in Kiew.

Share if you care.