Führungskräfte im Motivationsloch

3. April 2014, 11:30
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Laut einer Umfrage des Galileo Instituts für Human Excellence kommen Manager nicht mehr aus ihrem Motivationstief. Erfolg und Erfüllung lassen sich bei den Befragten nicht vereinen - viele sind am Absprung

Schlimmer geht's nicht. Laut einer Umfrage unter mehr als hundert Führungskräfte quer durch alle Branchen ist die Vereinbarkeit von Erfolg und Erfüllung nicht gegeben. Mit dem verheerenden Ergebnis, dass 64 Prozent der Besten sich am Absprung befinden. Ein Warnsignal an die Unternehmen, heißt es weiter, sieht der Großteil der Befragten nur geringe Chancen, respektive keine Möglichkeit innerhalb der Firma aus dieser misslichen Situation zu gelangen.

86 Prozent der Befragten kennen laut Umfrage die Situation beruflich erfolgreich und innerlich unzufrieden zu sein aus eigener Erfahrung. Nach Lösungswegen befragt, gaben 47 Prozent der Manager an, einen Positionswechsel ins Auge zu fassen. 42 Prozent wollen das Unternehmen wechseln, 22 Prozent komplett aussteigen und sieben denken mit einem Aufstieg innerhalb des Unternehmens das Motivationsruder noch rumreißen zu können.

"Fatale Situation"

Die Studienautoren bewerten die Umfrageergebnisse als "fatal" - für Unternehmen und für die Einzelnen. Denn wenn "gerade die besonders engagierten, nicht nur fachlich, sondern auch sozial kompetenten Führungskräfte trotz einer steilen Karriere oft mit einer tiefen Unzufriedenheit kämpfen", müsse das Unternehmen mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit mit einem Leistungsabfall rechnen. Die Annahme, dass die in Richtung Nulllinie schrammende Motivation der Führungskräfte auf deren Mitarbeiter überspringen könnte, liegt nahe.

"Das Leben ist endlich", gab einer der befragten Manager an - die Sinnentleerung im Job greift um sich. Die Gründe für diese Unzufriedenheit, fassen die Studienautoren in fünf "Clustern" zusammen:

  • Zu hohe Arbeitslast, zu viel Druck, zu wenig Zeit, zu viel Stress. 30 Prozent der frei formulierten Kommentaren fielen inhaltlich in diesen Bereich.
  • Langeweile, zu wenig Abwechslung, zu wenig Herausforderung - was nicht heiße, dass es zu wenig Arbeit gebe (15 Prozent).
  • Keine Führung vom Chef, keine Förderung, keine Perspektive im Unternehmen, unklare Ausrichtung der Unternehmensstrategie (12 Prozent).
  • Wunsch, selbstbestimmter zu argieren, in die Selbständigkeit gehen (15 Prozent).
  • Sinnfrage, innere Unruhe, auf der Suche nach dem richtigen Weg, was will ich wirklich? Was ist mein Weg? (28 Prozent)

Was aber können Unternehmen, die Arbeitgeber tun? Exemplarisch heben die Studienautoren ein weiteres Zitat eines Befragten hervor - und lassen es unkommentiert: "Mein aktueller Abeitgeber würde mich nicht verlieren und der Erfolg des Unternehmens wäre gesichtert. So wandern die motivierten, hoch qualifizierten Arbeitnehmer alle irgendwann ab, weil es keine Wertschätzung gibt." (Heidi Aichinger, derStandard.at, 3.4.2014)

Hier geht's zur Umfrage

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