Deutsches Gutachten rüttelt am Handwerkerbonus

3. April 2014, 10:17
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In Österreich soll die Steuerbegünstigung von Handwerkerrechnungen im Juli kommen. In Deutschland mehren sich die Kritiker

Der Handwerkerbonus, die Steuerermäßigung für Handwerkerrechnungen, soll in Österreich ab 1. Juli eingeführt werden. Die deutschen Nachbarn haben ihn schon. Ein Gutachten stellt nun fest, dass der Bonus nichts bringt.

Das Gutachten im Auftrag des deutschen Finanzministeriums sei zu dem Schluss gekommen, dass der Handwerkerbonus abgeschafft werden sollte, berichtete etwa die "Frankfurter Rundschau" am Mittwoch. Der Bonus habe in Deutschland nur in geringem Maße zur Eindämmung der Schwarzarbeit geführt und sich auch für Handwerk und Mittelstand kaum gelohnt.

In dem Gutachten der Unternehmensberatung Ernst & Young heiße es, dass die Untersuchungsergebnisse "am ehesten" dafür sprächen, die steuerliche Förderung für Handwerkerleistungen zu streichen. Die Untersuchung habe ergeben, dass viele Steuerzahler den Bonus für Handwerkerleistungen genutzt hätten, die sie ohnehin in Anspruch genommen hätten, wie zum Beispiel den Rauchfangkehrer.

Wie die Süddeutsche Zeitung am Donnerstag berichtet, stellt nun auch die SPD die Absetzbarkeit von Handwerkarbeiten  in Frage. Es bestehe Handlungsbedarf.

Eingeführt 2006

Seit 2006 können Steuerzahler 20 Prozent der Ausgaben für Handwerkerleistungen bei Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen von der Steuerschuld abziehen. Zunächst galt eine Höchstgrenze von 600 Euro, im Zuge der Finanzkrise wurde diese auf 1.200 Euro angehoben. Für den Staat führt dies zu Mindereinnahmen von rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr.

In Österreich soll das ganz ähnlich werden. Aufträge für Renovierung, Erhaltung bzw. Modernisierung von Wohnraum im Wert von 200 bis 3.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) werden heuer und nächstes Jahr in einem Pilotprojekt steuerlich gefördert. Kunden erhalten 20 Prozent des Rechnungsbetrags, also maximal 600 Euro pro Jahr, refundiert. Das soll die Auftraggeber davon abhalten, Pfuscher zu engagieren. Rechtsexperten sehen aber im geplanten "First come first serve"-Prinzip einen Widerspruch zum in der Verfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz. (red/APA, derStandard.at, 3.4.2014)

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