Analyse: Microsoft will lieb und nett sein

3. April 2014, 09:25
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Konzern ändert Strategie, umgarnt Entwickler und geht auf Kundenwünsche ein

Als Satya Nadella bei Microsofts Build-Konferenz auf der Bühne steht, stellt er eine Frage, die symbolisch für Microsofts neuen Ton ist: "Wie kann ich am besten mit meinen 5.000 engsten Entwickler-Freunden kommunizieren?". Dann schenkt Microsoft allen Konferenzteilnehmern eine Xbox One samt 500 Dollar-Gutschein für den Microsoft-Store.

Eine App für Alle

Vorbei sind die Zeiten, so Wired,  in denen der Redmonder Konzern Entwickler an der kurzen Leine lassen und ihnen vorschreiben wollte, was sie wie zu programmieren hätten. "Ihr wollt für Windows entwickeln", so Nadella zu den Programmierern, "weil wir innovativ die anderen herausfordern." Microsofts demütiges Werben ist bitter nötig, da sich viele Entwickler von Windows abgewandt haben: Sie bauen lieber neue Apps für iOS oder Android.

Microsoft will sie nun mit einem ausgeklügelten Angebot zurücklocken: Das Universal Windows Apps-Programm erleichtert es, Apps für gleichzeitig  Windows-Phones, Tablets, PCs und die Xbox zu entwickeln. Konsumenten können die App dann für jedes Gerät einzeln herunterladen.

Auf Wünsche eingehen

Damit wäre man bei Microsofts nächstem Problem: Dem Umgang mit Kundenwünschen. Viele Nutzer waren schwer enttäuscht von Windows 8 und dessen Fokus auf Touchfunktionen. Mit der angekündigten Rückkehr des Startmenüs dürfte Microsoft allerdings eine der größten Hürden auf dem Weg zu mehr Akzeptanz des Betriebssystems aus dem Weg geräumt haben. Das neue Startmenü sei "besser als je zuvor", urteilt etwa Wired, es bietet Kontextmenüs, die per Rechtsklick aufgerufen werden können und eine Suchfunktion für Apps.

Cortana vereint "das Beste aus Apple und Google"

Bereits für das vergangene Woche veröffentlichte Office für iPad hatte Microsoft viel Lob erhalten, das durch einfache Bedienbarkeit und sinnvolle Adaptionen überzeugte. Auch Cortana, der Windows-Phone-Assistent, scheint laut Wired gelungen zu sein: "Cortana wirkt, als würde es das Beste aus Apple und Google vereinen", so das US-Magazin. Das Programm könne, wie Google Now, auf Third-Party-Apps zugreifen, Emails und Bing durchsuchen; habe aber genau wie Apples Siri eine "Persönlichkeit", ist also charmant und lustig.

Strategiewechsel nötig

Microsoft zeigt durch die Ankündigungen, dass mit dem CEO-Wechsel von Steve Ballmer zu Satya Nadella tiefgreifende Prozesse im Konzern ausgelöst wurden. Der Redmonder IT-Gigant versucht jetzt, auf Kundenwünsche einzugehen, ohne seine Strahlkraft bei Unternehmenslösungen zu verlieren. Auch wenn die Gefahr besteht, dass Microsoft dadurch alle Geschäftsfelder verwässert, muss man dieses Risiko eingehen, so Wired – denn das Unternehmen befindet sich momentan in keiner guten Position. (fsc, derStandard.at, 3.4.2014)

  • Microsofts neuer CEO Satya Nadella umwarb auf Microsofts Build Konferenz Entwickler
    foto: ap_risberg

    Microsofts neuer CEO Satya Nadella umwarb auf Microsofts Build Konferenz Entwickler

  • Ein Kundenwunsch geht in Erfüllung: Das Startmenü kehrt zurück
    foto: screenshot/microsoft

    Ein Kundenwunsch geht in Erfüllung: Das Startmenü kehrt zurück

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