Presserat verurteilt Mölzers "Zur Zeit"

2. April 2014, 19:45
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Schwerwiegender Verstoß gegen den Ehrenkodex - Roma und Sinti menschenverachtend diskriminiert

Wien - Die vom FPÖ-EU-Spitzenkandidaten Andreas Mölzer herausgegebene rechte Zeitschrift "Zur Zeit" wurde erneut vom Presserat verurteilt. Mit dem Artikel "Das nicht lustige Zigeunerleben" sei ein "schwerwiegender Verstoß" gegen den Ehrenkodex der österreichischen Presse begangen worden, hieß es in einer am Donnerstag via Twitter bekannt gemachten Entscheidung.

Der Artikel in der Ausgabe 5/2014 enthalte "negative Behauptungen allgemeiner Art", mit der die Volksgruppe der Roma und Sinti "auf eine menschenverachtende Art und Weise pauschal verunglimpft und diskriminiert" werde.

"Ungeliebtes Volk"

Zur Verurteilung durch den Presserat führte ein Artikel, in dem die Autorin das Leben der von ihr als "Zigeuner" bezeichneten Roma und Sinti - sie spricht vom "ungeliebten Volk in Europa" - beschreibt. Sie vertritt die Auffassung, dass diese, wenn "man sie bettelnd auf der Straße" sehe, "aber eher beschämend, fremdartig" wirkten "und vielen ekelt es sogar vor ihnen". Sie würden "alles an sich reißen, was nicht 'niet- und nagelfest'" sei, und "wo sie hinkamen, zerstörten sie die Infrastruktur", sie "trinken und verprügeln ihre Frauen, weil diese ebenfalls trinken". Sie seien "Nomaden, die bildungsfern, ohne Zeit- und Eigentumsempfinden ihren Alltag leben", deren "Kinder, von denen Zigeuner meist eine ganze Schar haben, ... nicht zur Schule gehen". Ihre Welt sei "eine kalte, schmutzige und hoffnungslose", zitierte der Presserat die inkriminierten Stellen in Mölzers Zeitschrift.

Der Einladung zur Stellungnahme ist "Zur Zeit" auch diesmal nicht nachgekommen. Das Mölzer-Blatt gehört freilich auch nicht zu jenen Medien, die sich dem Ehrenkodex der Österreichischen Presse verschrieben bzw. die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats grundsätzlich anerkannt haben. Die Zeitschrift wurde aufgefordert, die Entscheidung des Presserats auf freiwilliger Basis zu veröffentlichen.

Vor Kurzem hat der Presserat festgestellt, dass "Zur Zeit" auch mit dem viel kritisierten "Kristallnacht"-Cartoon gegen den Ehrenkodex der Österreichischen Presse verstoßen hat. (APA, 2.4.2014)

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