Republik sagt Nein zu Sammlung Essl

2. April 2014, 23:09
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Museum bleibt bestehen - Baumax-Chef Essl zog Angebot zurück: Finanzierung "für die nächsten Jahre gesichert"

Wien – Mittwochnachmittag ereignete sich am Ballhausplatz so etwas wie ein Wunder: Die Causa Essl löste sich in Wohlgefallen auf. Die Republik kauft die Sammlung des Baumax-Gründers Karlheinz Essl nicht an, das Museum in Klosterneuburg wird aber weitergeführt – und für die Baumarktkette schaut es angeblich gut aus.

Essl hatte, wie berichtet, der Republik seine Sammlung zum Kauf angeboten. Denn bei einer Insolvenz hätten die Gläubigerbanken Zugriff auf die rund 7000 Kunstwerke gehabt. Zudem wären 4000 Arbeitsplätze in Österreich gefährdet. Essl hätte, so die Interpretation von Josef Ostermayer (SPÖ), "ein Alarmsignal gegeben". Der neue Kulturminister lud daher alle Beteiligten – Karlheinz Essl und das Baumax-Management, die Banken, Vertreter des Landes Niederösterreich und der Finanzprokuratur sowie Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) – zu einem runden Tisch ein.

Das Gespräch sei, so Ostermayer bei der anschließenden Pressekonferenz, "positiv verlaufen": Essl habe ausführlich und eindringlich die Bedeutung der Sammlung dargelegt, die Regierung aber machte ihm klar, dass sie die Sammlung nicht ankaufen werde. Essl zog daraufhin sein Angebot zurück. Und die Gläubigerbanken (Raiffeisen, Bank Austria und Erste Bank) versicherten, an einer "positiven Lösung" mitarbeiten zu wollen: "Zeitnahe Gespräche" über weitere Kredite an Baumax würden folgen.

Auch wenn niemand eine Garantie abgab, bleiben die 4000 Arbeitsplätze erhalten. Hundstorfer zeigte sich erleichtert. Das Management arbeite zudem an einen Fortbestand der Baumarktkette in den umliegenden Ländern. Über eine Verpfändung der Sammlung sei nicht gesprochen worden, sagte Ostermayer.

Nach Ende der Pressekonferenz erklärte Essl, dass die Finanzierung seines Museums zwar nicht auf Generationen, aber vorerst gesichert sei: "Es gibt Vermögenswerte." Erstaunlich zuversichtlich äußerte sich der Unternehmer auch zur Zukunft von Baumax: Man ziehe sich aus der Türkei zurück, die Restrukturierung sei im Gange, für diese brauche man natürlich einen Zuschuss der Banken, aber 2016 werde die Baumarktkette wieder dort sein, wo sie war. Denn schon das erste Quartal 2014 sei sehr gut gewesen (aufgrund des weit besseren Wetters), die Liquidität daher viel besser geworden: "Mit Baumax geht es aufwärts!" Essl gab eine Standortgarantie ab: "Österreich ist kein Thema." Und das "Wunderbare" sei, dass alle Mitarbeiter hinter dem Unternehmen stünden.

Essl sagte in der ZiB 2, in der Zwischenzeit habe sich ein neues Sanierungskonzept ergeben, im ersten Quartal gebe es bereits bessere Zahlen. Die Banken sollen sich zu Gesprächen über weitere Kredite bereit erklärt haben. Laut Essl wurde die Republik gebeten, bestehenden Haftungen zu verlängern.

Konkrete Zahlen und Summen wurden nicht genannt. Man habe eine Plattform geboten, so Hundstorfer, nun könnten Baumax und die Banken im Stillen verhandeln. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 3.4.2014)

  • Karlheinz Essl
    foto: apa/pfarrhofer

    Karlheinz Essl

  • Die Minister Mitterlehner, Ostermayer und Hundstorfer kaufen die Sammung Essl nicht.
    foto: apa/bka/hofer

    Die Minister Mitterlehner, Ostermayer und Hundstorfer kaufen die Sammung Essl nicht.

  • Karlheinz Essl wirkte gefasst, Josef Ostermayer hatte blendende Laune: Shakehands am Ballhausplatz vor dem Match.
    foto: apa/bka/hofer

    Karlheinz Essl wirkte gefasst, Josef Ostermayer hatte blendende Laune: Shakehands am Ballhausplatz vor dem Match.

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