Heimat, fremde Heimat

Kolumne2. April 2014, 18:49
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Die Reaktion der Bürger und Bürgerinnen überrascht: Sie wählen die Bande der Brandstifter

Das von Vertretern der Bundesregierung selbst ins Spiel gebrachte Bild vom "Feuerwehreinsatz" zur Rettung der Hypo Alpe Adria ist durchaus stimmig und bedarf nur einer Präzisierung: Dank dieses Löschmanövers wurde ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Bankhäuser verhindert, das brennende Haus selbst und sämtliche anderen umliegenden Gebäude jedoch leider zum Einsturz gebracht.

Wenn man aktuellen Umfragen glauben darf, ist die Reaktion der von diesem Desaster betroffenen Bürgerinnen und Bürger etwas überraschend: Sie wählen die Bande der Brandstifter. Schon bei der EU-Wahl darf die FPÖ deshalb mit satten Zugewinnen rechnen.

Die Unverdientheit dieses Erfolges dürfte in der nach wie vor von ehemaligen Komplizen des Bärentaler Hypo-Pyromanen geführten Partei eine Art von schlechtem Gewissen ausgelöst haben. Zumindest wäre das eine Erklärung für die jüngsten, an Sabotage gemahnenden Auftritte ihres Spitzenkandidaten Andreas Mölzer, der Nekrophilie mit "Todessehnsucht" übersetzt (folgerichtig würde es sich bei Pädophilie um Sehnsucht nach der Kindheit handeln) und auch sonst keine Gelegenheit auslässt, um selbst bei den "Wurscht, was die für Pfosten aufstellen, ich bin wütend" -Wählern unangenehm aufzufallen.

Vielleicht handelt es sich dabei aber auch um eine Frustreaktion Mölzers darauf, dass sein Versuch, dem freiheitlichen EU-Wahlkampf mittels länderübergreifender Allianzen europäische Relevanz zu verschaffen, als gescheitert gelten muss. Die von ihm forcierte Idee einer "Internationalen der Nationalen" hatte von Anfang an konzeptionelle Nähe zu einer "Schlachtplatte für Veganer".

Ein Beispiel für die durch solche Ambitionen erzeugte Problematik liefert das Verhältnis der Freiheitlichen zur Rechtsanwältin Eva Maria B., die nicht nur Vortragende und gerngesehener Gast bei Veranstaltungen des FPÖ-Bildungsinstituts ist, sondern sogar eine Pressekonferenz Seite an Seite mit Heinz-Christian Strache absolvieren durfte. Diese Dame hat eine Kundgebung der Jobbik, einer ungarischen Partei, die laut Gerichtsurteil ganz offiziell als neonazistisch beschrieben werden kann, bei den Behörden angemeldet. Das Bemerkenswerte an dieser Kundgebung war zum einen, dass zahlreiche Teilnehmer in paramilitärischen Uniformen und bewaffnet erschienen, zum anderen, dass sie auf österreichischem Boden stattfand, nämlich im burgenländischen Oberwart. Aus Sicht der Veranstalter vollkommen nachvollziehbar, zumal sie die Errichtung "Großungarns" fordern, was eine Annexion des Burgenlandes bedeuten würde.

Spätestens da offenbart sich das Dilemma der Freiheitlichen. Eine politische Bewegung, die sich selbst als "Heimatschutzpartei" sieht, gerät in Erklärungsnotstand, wenn sie keine Berührungsängste mit Kräften aus dem Ausland hat, die sich besagte Heimat einfach unter den Nagel reißen wollen. Möglich aber auch, dass es in der Partei Stimmen gibt, die angesichts der traditionell schwachen FPÖ-Ergebnisse im Burgenland ein offenes Ohr für Wünsche aus der Nachbarschaft fordern. Das demonstrative Verständnis der blauen Granden Gudenus und Hübner für die Krim-Annexion erschiene somit in gänzlich neuem Licht.(FLORIAN SCHEUBA, DER STANDARD, 3.4.2014)

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