Wahlkampf im Wohlfühlmodus

2. April 2014, 18:23
147 Postings

Die Neos wollen die Wohnzimmer erobern und Europa nach Österreich bringen

Wien - Vor ihrer Wohnungstür liegt eine Türmatte mit der Aufschrift "Heimat". Dabei ist noch nicht klar, wo Angelika Mlinar künftig ihren Hauptwohnsitz haben wird. Die Neos-Abgeordnete ist Spitzenkandidatin für das EU-Parlament.

Um die Neos-Ideen unter die Leute zu bringen, tingeln Mlinar und ihre Mitstreiter durch Wohnzimmer. An 54 Abenden besuchen sie Sympathisanten. Da "die Angi" nicht überall dabei sein kann, wird sie sich manchmal per Skype zuschalten, um an mehreren "Europa daheim"- Abenden dabei sein zu können.

Am Dienstagabend ist Mlinar selbst Gastgeberin. Auf dem beigefarbenen Ledersofa sitzen aber keine potenziellen Neos-Wähler, sondern Journalisten. Positive Energie wollen Parteichef Matthias Strolz und Mlinar im Wahlkampf vermitteln und erlauben sich nur wenig Seitenhiebe auf die Mitbewerber. Mlinar wohnt in einer Altbauwohnung im achten Bezirk: Parkettboden, ein Mix aus Designer- und Vintagemöbeln, indirektes Licht und wenig Pflanzen. Ikea-Möbel haben sich nicht verirrt.

Neos-Sprech: "Innovationstreibhaus"

Im Neos-Wohlfühlmodus spricht Strolz von "Europa als Lebensgefühl". Als Berater hat er Coaching-Mantras verinnerlicht. Wenn er eine zentrale Forderung aus dem Neos-Programm anspricht, macht er mit seinen Fingern die verkehrte Merkel-Raute. Seine Begeisterung kann er kaum verbergen. In Neos-Sprech heißt das dann "Leuchtturm der Demokratie" oder "Innovationstreibhaus Europa".

Strolz will der Jugend Chancen in Europa ermöglichen: Die hohe Jugendarbeitslosigkeit sei die "größte Tragödie", das könne man nur gemeinsam "anpacken". Die duale Ausbildung müsse ein Exportschlager werden, und jeder Lehrling soll auch die Möglichkeit haben, im Ausland zu arbeiten.

Auch Mlinar gibt sich enthusiastisch. Sie freut sich auf den Umzug nach Brüssel, hat schon eine Wohnung, und überhaupt sei für sie das Leben dort leichter als in Wien.

Wenn die Spitzenkandidatin spricht, nickt der Parteichef mit dem ganzen Körper mit. Richtig emotional wird Mlinar, als sie das Thema Migrationspolitik anspricht. "Es bricht mir das Herz, dass das Mittelmeer zum Massengrab wird", sagt sie über die Flüchtlingstragödien. Daher brauche es Migrationsmanagement und eine enge Zusammenarbeit zwischen Herkunfs-, Transit- und Zielland.

Mlinar selbst kann auf einige Erfahrungen im Ausland verweisen. Sie hat bei der Europäischen Kommission gearbeitet, in Washington studiert und in Slowenien die Keksfirma "Angelski Keksi" gegründet. An diesem Abend begeistern sie die - gekauften - Kekse. Wenn der Wahlkampf zu Ende ist, will sie endlich wieder selbst etwas backen. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 3.4.2014)

  • Neos-Spitzenkandidatin Mlinar lädt zu sich ein.
    foto: apa/neubauer

    Neos-Spitzenkandidatin Mlinar lädt zu sich ein.

Share if you care.