Analyse und Abgang im Skiverband

2. April 2014, 17:44
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Die ÖSV-Saisonanalyse steht im Schatten der Trainerfragen bei den alpinen Herren und Skispringern. Sportdirektor Pum zwischen friedlichen Wiesen und Minenfeld

Kaprun/Wien - Auch die statistisch gesehen schlechteste Skisprungsaison seit 13 Jahren ist ab heute Abend im TauernSpa Zell am See - Kaprun Thema einer gröberen Analyse des österreichischen Skiverbandes (ÖSV). Gut zwei Dutzend Involvierte kommen zu Wort, den Vorsitz führt gewissermaßen ÖSV-Sportdirektor Hans Pum, der nach dem Rücktritt des alpinen Herrencheftrainers Mathias Berthold auf einer weiteren Baustelle zu arbeiten hat.

Bei den Alpinen kann sich der bald 60-jährige Oberösterreicher Pum dem relativ angenehmen Sichten und Kontaktieren von Kandidaten widmen. Kaum dass Berthold abging, setzte das übliche Namedropping ein. Patrick Riml, der äußerst erfolgreiche Alpindirektor des US-Teams, das nächste Saison in Vail eine Heim-WM hat, wurde ebenso schon genannt wie Christian Leitner, der derzeit bei den Japanern wirkt oder - selbstredend - Hermann Maier. Selbst über ein Comeback von Anton Giger, der nach seinem Abgang als Herrenchef die ÖSV-Abteilung für Entwicklung, Forschung und Innovation übernahm, wird gemutmaßt.

Schwieriger ist die Situation bei den Skispringern, die Pum ohnehin nicht so naheliegen. Schon länger schwelender Überdruss der handelnden Personen aneinander kam in dieser Saison zum Ausbruch, als Gregor Schlierenzauer sein enttäuschendes Abschneiden auch Chefcoach Alexander Pointner anlastete. Der Weltcupweltrekordsieger fühlte sich während der Olympischen Spiele in Sotschi unzureichend betreut, weil er seinen Vereins- und Vertrauenstrainer Markus Maurberger in Russland entbehrte, obwohl der wie auch Thomas Morgensterns Vertrauter Heinz Kuttin akkreditiert gewesen wäre.

Das zerschnittene Tischtuch

Pointner, in den vergangenen zehn Jahren den Titeln nach der erfolgreichste nordische Trainer, den der ÖSV jemals hatte, ließ die Kritik nicht gelten, verwies auf vorolympische Abmachungen und wies Schlierenzauer öffentlich und recht deutlich zurecht.

Seither scheint das Tischtuch zwischen Pointner und Schlierenzauer zerschnitten, der 24-jährige Sportler, der durch seine Erfolge schon in der Vorsaison Probleme im Springerteam kaschiert hatte, dachte wohl aus taktischen Gründen laut darüber nach, die kommende Saison auszulassen, obwohl die in einer WM (Falun) gipfelt. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat jedoch versichert, dass Sportler in der Trainerfrage nicht zu entscheiden haben.

Dass Pointners Vertrag, wie vom 43-jährigen Oberösterreicher selbst erhofft, deshalb verlängert wird, heißt das aber nicht. Vielmehr gilt Doppelweltmeister Kuttin, der Stützpunkttrainer aus Villach, als erster Anwärter auf den Posten, während Pointner weggelobt und statt des amtsmüden Ernst Vettori ÖSV-Sportdirektor für Sprunglauf und Kombination werden könnte.

Fragezeichen hinter Morgenstern

Kuttins Schützling Morgenstern wird dem Vernehmen nach normal in die Vorbereitung gehen und erst anlässlich der ersten Sommerspringen entscheiden, ob er seine Karriere fortsetzt oder keine Risiken mehr eingeht.

Sportdirektor Pum will sich in all den heiklen Fragen nicht hetzen lassen. Die Tatsache, dass am Samstag in Innsbruck die Präsidentenkonferenz des ÖSV steigt, könnte allerdings schon für einen gewissen Druck sorgen. (Sigi Lützow, 03.04.2014)

  • Heinz Kuttin (li.) soll Alexander Pointner als Chefcoach folgen.
    foto: apa/eggenberger

    Heinz Kuttin (li.) soll Alexander Pointner als Chefcoach folgen.

  • Die Vertragsverlängerung von Pointner ist noch offen.
    foto: reuters/ebenbichler

    Die Vertragsverlängerung von Pointner ist noch offen.

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