Österreich als Hotspot für Hagel und Sturm

2. April 2014, 18:07
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Gefährliche Naturereignisse könnten in Österreich fast überall auftreten. Die meisten Schäden werden durch Stürme und Hagel verursacht, besagen aktuelle Zahlen der Allianz Versicherung

"Bei uns gibt es fast alles an Naturgefahren", sagt Rupert Pichler. Der Leiter des Bereiches Naturkatastrophen-Management bei der Allianz Versicherung fasst damit die Lage in Österreich zusammen. Und die schaut - in seinen Augen und in denen seiner Kollegen - nicht gerade rosig aus. Worte wie "Katastrophe", "dramatisch" und "Schadenfrequenz" fallen häufig, während der Pressekonferenz am Mittwoch. Alle Bundesländer seien von "vielfältigen Risikosituationen" betroffen, sagt ein Vertreter jener Branche, die Geld damit verdient, Versicherungen für Naturkatastrophen zu verkaufen.

Besonders betont Pichler die Gefahr von Erdbeben, die in seinen Augen in Österreich stark unterschätzt wird. Hört man dem Meteorologen zu, könnte man meinen, dass jederzeit ein verheerendes Erdbeben ausbrechen könnte: Er vergleicht die Situation hierzulande mit jener in Chile - wo am Dienstagabend ein Beben der Stärke 8,2 für den Tod von mindestens sechs Menschen und die Evakuierung von fast einer Million Betroffenen verantwortlich war.

Parallelen zu Chile

Chile gilt gemeinhin als Hotspot für Erdbeben. Die Region, in der die Erde diesmal bebte, sei aber als "seismische Lücke" bekannt, so der Meteorologe. Das letzte Erdbeben habe dort 1877 stattgefunden.

Lange tektonische Ruhephasen gebe es auch in Österreich. Historisch gesehen sei es im 13. und 16. Jahrhundert in Kärnten und im Raum Wien zu starken Erdbeben gekommen. Jedes Jahr messe die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) durchschnittlich 17 spürbare Erdbeben. Die Gefahr aber sei "nicht präsent im Bewusstsein der österreichischen Bevölkerung", sagt Pichler und gibt sogar Verhaltenstipps für den Notfall.

Wind und Hagel

Die meisten Schäden durch Naturgefahren werden in Österreich allerdings durch Stürme verursacht. In den Jahren 2000 bis 2013 wurden laut einer Statistik der Allianz Versicherung 35,5 Prozent aller Schäden durch Stürme verursacht. Hotspots sind die Gegenden nördlich der Alpen, vom Innviertel bis ins südliche Niederösterreich und das Wiener Becken.

Hagel steht Wind in fast nichts nach. Er kann überall auftreten und verursacht laut der Allianz-Statistik nahezu ein Drittel – nämlich 29,6 Prozent – aller Schäden durch Naturereignisse. Hagelunwetter seien schwer messbar, wodurch sich "extrem kurze Vorwarnzeiten" ergeben, meint Meteorologe Pichler. Prävention sei deshalb beim Häuserbau wichtig, durch das Vermeiden von "weichen" Bauteilen an Gebäudehüllen. Hagelt es bereits, solle man nicht mehr versuchen, das Auto oder ähnliches in Sicherheit zu bringen.

Hochwasserschutz verbessert

"Jede Menge Risikozonen" gibt es laut Pichler für Hochwasser. Regionen um die Zuflüsse der Donau seien besonders betroffen. Gefährlich zeigen sich aber auch kleinere Bäche, die sich bei Starkregen innerhalb kürzester Zeit in reißende Ströme verwandeln können. Seit dem verheerenden Hochwasser im Jahr 2002 hätten sich die Präventionsmaßnahmen aber spürbar verbessert, sagt Pichler. 2013 seien bei den heftigen Überschwemmungen bereits weniger Schäden aufgetreten. (Christa Minkin, derStandard.at, 2.4.2014)


Information: Über das Risiko von Naturgefahren kann sich die Bevölkerung zum Beispiel auf der vom Lebensministerium bereitgestellten Internetseite www.hora.gv.at informieren. Auch die Homepage der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gibt Unwetterwarnungen und Informationen zu Erdbeben aus.

  • Hochwasser tritt vor allem um die Donau-Zuflüsse auf.
    foto: apa/helmut fohringer

    Hochwasser tritt vor allem um die Donau-Zuflüsse auf.

  • Naturkatastrophen: Schäden und Risikogebiete in Österreich. Daten von Allianz Versicherung und Statistik Austria.
    foto: apa/allianz/statistik austria

    Naturkatastrophen: Schäden und Risikogebiete in Österreich. Daten von Allianz Versicherung und Statistik Austria.

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