Die autofreie Ringstraße als Radleroption

2. April 2014, 18:11
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Grüne Forderungen zur Attraktivierung des Radverkehrs in Wien - Neue Großabstellanlage am Westbahnhof

Wien - "Ich weiß schon: Schön wär's für euch, ich tät jetzt sagen, der Ring wird autofrei. Sag ich aber nicht", sagt Rüdiger Maresch. Was der Verkehrssprecher der Wiener Grünen aber sagt, ist, dass die Ringsperre eine Option ist. "Das haben wir ja schon gehabt - sechs Wochen lang während der Fußball EM. Und da ist die Welt auch nicht untergegangen." Es gebe aber mehrere Möglichkeiten, eine der meistfrequentierten Radrouten der Stadt weiter zu attraktivieren: Die schnellen Radfahrer im Autoverkehr mitfahren lassen, eine Fahrspur für Radler freigeben - oder eben die Totalsperre für Autos.

Bei einer kleinen Strampeltour durch die Hauptstadt wurden am Mittwoch - gemeinsam mit dem Bundesverkehrssprecher der Grünen Georg Willi - die Stärken und Schwächen des Wiener Radsystems erkundet. Woran man merkt, dass etwa der Ringradweg teilweise zu schmächtig dimensioniert ist? Wenn ein Entgegenkommender flucht: "Na super! Nebeneinander müssen s' fahren, eh klar!"

Keine Radwegpflicht

Willi fordert in diesem Zusammenhang die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht. Eine erste - weitgehend unbekannte - Teststrecke dafür gibt es in Wien bereits in der Operngasse: Dort ist der Radweg mit einem eckigen Schild ausgewiesen. Das Eckige am Schild zeigt an, dass neben dem Radweg auch die Busspur beradelt werden kann.

Wo es auch entschieden zu eng ist: Generell auf den schmal dimensionierten Einrichtungsradwegen wie auf der Zweierlinie oder auf der Praterstraße. Und wo es erstaunlicherweise so gut wie ohne Probleme abgeht: Auf der offenen, gemischt genutzten Zone am Praterstern. Wo Radfahrer und Fußgänger gemeinsam unterwegs sind - wie auch in insgesamt 40 Fußgängerzonen in Wien. Auf der Mariahilfer Straße werde sich das auch noch einrenken - hofft zumindest Maresch.

Kilometergeld ab dem ersten Kilometer

Weitere Forderungen von Georg Willi an den Bund: Für Dienstwege auf dem Rad soll Kilometergeld schon ab dem ersten Kilometer verrechnet werden können - und nicht erst ab dem dritten. Nachrangregelungen - wie am Ende des Radweges sollen aufgehoben werden. Und: Der Radführerschein soll fix in den Lehrplan von Volksschulen aufgenommen werden.

Christoph Chorherr, Radverkehrssprecher der Wiener Grünen, gab sich indes am gleichen Tag zwar nicht staats-, aber stadttragend vor der neuen überdachten Großradabstellanlage mit Kippsystem zwischen Westbahnhof und Autogarage. Der grüne Stadtregierungsvertreter sagt zu der kleinen Fotografengruppe, die sich vor ihm scharte: "Vor 25 Jahren hieß es noch spöttisch, Christoph Chorherr eröffnet einen Radständer. Heute sind es 480. So ändern sich die Zeiten." Und es gibt noch Steigerungsmöglichkeiten: Eine weitere Abstellanlage für 1000 Räder gilt es heuer noch am Hauptbahnhof zu eröffnen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 3.4.2014)

  • Radeln in der "Fuzo": Offenbar nur auf der "Mahü" ein Problem.
    foto: christian fischer

    Radeln in der "Fuzo": Offenbar nur auf der "Mahü" ein Problem.

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