Apokalyptischer Goldrausch

2. April 2014, 18:21
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Zu den (Alb-)Traumlandschaften in der Ausstellung von Mona Vătămanu und Florin Tudor in der Galerie Huber

Wien – Was wie eine verödete Planetenlandschaft aussieht, haben Mona Vătămanu und Florin Tudor leider nicht nur erdacht. Die braune Sauce, die sich in ihrem Film All That Is Solid Melts Into Air tief in die Landschaft frisst, ist schwermetallvergiftete Schlacke, die im rumänischen Bergbaugebiet Rosia Montana zum Abbau von Edelmetallen dient. Seit den 1970er-Jahren ist die Gegend Schauplatz eines höchst umstrittenen chemischen Raubbaus, der für die Zerstörung riesiger Landschaftsstriche und ganzer Dörfer verantwortlich ist.

Mit einer Rede von Salvador Allende wird zu Beginn des einstündigen Films auf die Involviertheit internationaler Großkonzerne verwiesen, während die darauf folgende Lesung aus der Offenbarung des Johannes das zähe Fließen der Bilder gleich noch viel bedrückender macht.

Mona Vătămanu (geb. 1968) und Florin Tudor (geb. 1974), die sich in ihrer Arbeit immer wieder mit Themen des (post)kommunistischen Rumänien befassen, verschränken in der sehr atmosphärischen Arbeit die ökonomischen und politischen Aspekte mit den ökologischen und machen so auf sehr eindrückliche Weise deutlich, dass das Thema Umwelt auch im osteuropäischen Raum immer schlagender wird.

Als Kontrastprogramm zur Albtraumlandschaft spielen in der Ausstellung aber auch ganz reale Träume eine wichtige Rolle: Geträumt wurden diese unter anderem vom befreundeten rumänischen Konzeptkünstler Ion Grigorescu, der im Video 21/06/1970 le voleur no2 aus seinen zwischen 1970 und 1975 verfassten Traumtagebüchern vorliest.

Während es sich dabei um eine erst jüngst auch in Buchform erschienene Mischung aus surrealen Szenen, zeithistorischen Kommentaren und philosophischen Überlegungen handelt, geht eine andere Installation von Vătămanu und Tudor noch auf einen weiteren Traum zurück: I dreamt the work of another artist heißt die Arbeit, die auf dem Boden arrangiertes Baumaterial mit einer gefundenen Fotografie kombiniert.

Das Ganze erinnert an eine Ausgrabungsstätte und lässt vor allem in Zusammenhang mit dem Bild eines Mannes in exotischer Landschaft erahnen, dass man hier zur Abwechslung mal nicht der Beziehung vom Osten zum Westen nachgeht, sondern eine neue Achse in den Süden legt. (Christa Benzer, DER STANDARD, 3.4.2014)

Bis 10. 5.
Galerie Andreas Huber
Schleifmühlgasse 6–8, 1040 Wien

www.galerieandreashuber.at

  • "All That Is Solid Melts Into Air", 2012–2013, Videostill.
    foto: galerie andreas huber

    "All That Is Solid Melts Into Air", 2012–2013, Videostill.

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