Kopenhagen: Waste of money im Mannerschnittenland

Blog3. April 2014, 11:51
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Wie Pharmakologin Maria Waldhör nach Kopenhagen kam oder: Warum es mit ihr und der Wissenschaft in Österreich nicht geklappt hat

Noch lange bevor die damalige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl im Jahr 2010 mit ihrer Kampage "MINT - Studieren, was Zukunft schafft" die Hemmschwelle für naturwissenschaftliche und technische Studienfächer abbauen wollte, hatte sich Maria Waldhör für ein ebensolches entschieden: Biologie und Zoologie in Salzburg und in den USA. Die Dissertation folgte am Wiener Institut für Pharmakologie. Heute ist die 43-Jährige eine international gefragte Expertin auf ihrem Gebiet: den G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Diese gezielt abzuschalten, um zum Beispiel Schmerz oder hohen Blutdruck zu vermeiden, war Gegenstand ihrer Dissertation.

Mannerschnitten und die Leute

Nach Abschluss ihrer Doktorarbeit zog es Waldhör nach Dänemark an eine Post-Doc-Stelle. Dann folgten vier gut bezahlte Jahre als Senior Scientist an einem Labor in San Francisco. Schließlich wurde der Wunsch, näher bei den Eltern in Salzburg zu sein, immer größer. Und die Sehnsucht nach den Bergen, den Leuten in Österreich, die sie "einfach sehr mag", aber auch nach den Mannerschnitten. Also nutzte sie das Angebot, eine Stelle am Pharmakologischen Institut in Graz anzunehmen.

Neben ihrer Expertise hatte sie außerdem ein bewilligtes Projekt des Wissenschaftsfonds im Gepäck. Die Pharmakologin baute ihr eigenes Labor auf, mit den Geldern für ihr Projekt konnte Waldhör Dissertanten anstellen und am Aufbau des ersten internationalen PhD-Programms an der Med-Uni Graz mitwirken. Aber: Mit der assoziierten Professur war sie dann vorerst am Ende der Karriereleiter in Graz angelangt. Die Wissenschafterin hielt Ausschau nach einem neuen Job. Und diesen fand sie auch - wieder in Dänemark, und zwar bei einem Pharmaunternehmen in Kopenhagen, für das sie heute noch an einem Medikament für Typ-2-Diabetiker forscht.

Ausbildung als "waste of money"

Ihre Sehnsucht nach Österreich ist nach wie vor da, nur die Perspektiven fehlen. Den Unis fehle es an Geld und damit an der Möglichkeit, Leistung angemessen zu honorieren. Die überbordende Bürokratie verhindere sinnvolle Kooperationen, etwa mit der Privatwirtschaft. "Ich denke, es ist 'waste of money', tolle Leute an den sehr guten österreichischen Unis auszubilden, um diese dann ans Ausland zu verlieren." Für ambitionierte Jungforscher im Post-Doc-Bereich gebe es in Österreich einfach nicht genügend und vor allem im internationalen Vergleich kaum attraktive Möglichkeiten.

Hygge am Hafen

Und sonst? Maria Waldhör lebt in Kopenhagen direkt am Hafen. Ihr Partner ist ebenfalls Forscher in einem Pharmaunternehmen. In ihrer Freizeit macht sie gerne das, was die Dänen "hygge" nennen: sich gemütlich mit Freunden oder Familie treffen und eine "super" Zeit miteinander verbringen. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 3.4.2014)

Aufruf: Braindrains - bitte melden!

derStandard.at widmet ab sofort den "Braindrains" einen eigenen Blog. Konkret jenen (Nachwuchs-)Wissenschaftern und -Wissenschafterinnen, die an den österreichischen Unis nach der Post-Doc-Stelle oder schon davor keinen Platz gefunden haben und/oder sich grundsätzlich davon verabschiedet haben, nach der wertvollen Erfahrung im Ausland wieder nach Österreich zurückzukehren. Wir würden gerne von Ihnen erfahren, wo Sie eine für Ihre Ausbildung adäquate Stelle gefunden haben - und mit Ihnen darüber reden, was hierzulande schiefläuft. Schreiben Sie uns an online.innenpolitik@derstandard.at.

  • Pharmakologin Maria Waldhör ist zweimal nach Dänemark ausgewandert.
    foto: maria walhoer

    Pharmakologin Maria Waldhör ist zweimal nach Dänemark ausgewandert.

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