Japanischer Mafia-Clan startete Werbefeldzug im Internet

2. April 2014, 13:29
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Neues Wohltätigkeitsimage soll Mitgliederschwund aufhalten

Mit einer digitalen PR-Kampagne kämpft die größte japanische Mafia-Familie um ein besseres Image und gegen Mitgliederschwund: Auf einer neuen Internetseite rühmt sich Yamaguchi-gumi gemeinnütziger Wohltaten - und eines entschlossenen Vorgehens gegen den Drogenhandel.

Aufräumarbeiten

Anhand von Fotostrecken wird etwa das Engagement des Verbrecher-Syndikats bei den Aufräumarbeiten nach dem Erdbeben in Kobe 1995 und der Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011 gepriesen. Auch beim Müllsammeln entlang eines Flusses am Hauptquartier der Gruppe in Kobe sind die Mafiosi zu beobachten.

Das Design der Website wirkt allerdings veraltet. Abrufbar ist unter anderem ein verwackeltes Video, das die Führungsriege des Clans beim Neujahrsbesuch an einem verehrten Schrein zeigt. Der Kurzfilm ist unterlegt mit einem Folk-Song als neuer Erkennungsmelodie der Yamaguchi-gumi, worin Männlichkeitsideale und der vermeintliche Kampf für die Schwächsten der Gesellschaft glorifiziert werden.

In zahlreiche illegale Aktivitäten verstrickt

Die Realität ist indes eine andere: Wie die Mafia in Italien sind die sogenannten Yakuza-Clans in Japan in zahlreiche illegale Aktivitäten verstrickt, vom Glücksspiel über Drogenhandel, Prostitution und Schutzgelderpressung bis hin zur Wirtschaftskriminalität mit Scheinfirmen. Trotzdem sind die Clans nicht verboten und verfügen über offizielle Hauptquartiere und sogar Visitenkarten, denn die Behörden gehen nur gegen offenkundige Verbrechen vor.

"Das Yakuza-Motto heißt 'Hilf den Schwachen, bekämpfe die Starken'", sagte der Journalist und Mafia-Experte Jake Adelstein der Nachrichtenagentur AFP. "In der Praxis ist es meistens umgekehrt." Auch bei den Aufräumarbeiten nach den Naturkatastrophen sei Eigeninteresse mit im Spiel gewesen: Durch ihre Kooperation mit Anwohnern hätten die Kriminellen einen Teil der staatlichen Wiederaufbauhilfe in die eigene Tasche gesteckt.

Für Yamaguchi-gumi ist es nicht der erste Werbefeldzug. Schon vor einigen Monaten reagierte das Syndikat mit einem nicht öffentlich erhältlichen Mitgliedermagazin auf die Akzeptanzkrise der Yakuza in Japan. Nach Polizeiangaben sank die Mitgliederzahl aller Clans im vergangenen Jahr erstmals unter die Marke von 60.000. Presseberichten zufolge versuchte Yamaguchi-gumi in der ersten Broschüre dem Negativtrend entgegenzusteuern - mit einer Gedichte-Seite, Lesestücken über traditionelle Brettspiele und Reportagen von Fischereiausflügen einiger Gangsterbosse.

Die Polizei konnte zunächst nicht bestätigen, ob die Website wirklich von Yamaguchi-gumi erstellt wurde. (APA, 2.4. 2014)

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