Wirkungen von Arzneien bei Markteinführung häufig noch unklar

2. April 2014, 14:11
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Lediglich bei drei Präparaten habe es in der Gesamtschau einen therapeutischen Fortschritt gegeben, sagt Arzneimittelexperte Gerd Glaeske

Berlin - Nutzen und Nebenwirkungen von Medikamenten sind nach Einschätzung deutscher Wissenschafter zur Markteinführung oft nicht ausreichend geklärt. Trotz der im Jahr 2011 in Deutschland per Gesetz eingeführten frühen Nutzenbewertung neuer Mittel träten viele unerwünschte Wirkungen erst später auf, sagte der Arzneimittelexperte Gerd Glaeske von der Universität Bremen am Mittwoch bei der Vorstellung des Evaluationsberichts in Berlin.

Von 20 untersuchten Wirkstoffen, die 2011 auf den Markt kamen, verschickten die Hersteller demnach für acht Präparate im Nachhinein Warnhinweisschreiben. Bei lediglich drei Präparaten habe es in der Gesamtschau einen therapeutischen Fortschritt gegeben, erläutert Glaeske.

Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag gefordert

Der Experte spricht sich dafür aus, neue Medikamente nach etwa drei Jahren erneut zu bewerten. Auf diese Weise könnten Nutzen und Schaden besser eingeschätzt werden. "Was wir brauchen, sind weitere Spätbewertungen mit Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag", ergänzt Jens Baas von der Techniker Krankenkasse (TK). Schließlich haben Auswertungen der TK gezeigt, dass die Bewertungen der Arzneimittel nicht eins zu eins in Arztpraxen oder Kliniken ankommen.

So werde etwa der Wirkstoff Ticagrelor, der bei Herzerkrankungen die Bildung von Blutgerinnseln verhindern soll, bei jedem dritten Patienten falsch eingesetzt. (APA/Reuters, derStandard.at, 2.4.2014)

  • Gerd Glaeske von der Universität Bremen spricht sich dafür aus, Medikamente nach etwa drei Jahren erneut zu bewerten.
    foto: apa/dpa/matthias hie

    Gerd Glaeske von der Universität Bremen spricht sich dafür aus, Medikamente nach etwa drei Jahren erneut zu bewerten.

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