Hallstätter See: Mittelalterliche Eingriffe in die Umwelt festgestellt

2. April 2014, 12:50
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Sedimentproben lassen auf Verbindung zwischen Salzabbau und Veränderung der Kulturlandschaft im 12. bis 14. Jahrhundert schließen

Hallstatt/Wien - In Analysen von Bohrkernen vom Grund des Hallstätter Sees fanden Archäologen des Naturhistorischen Museums Wien (NHM) erstmals konkrete Belege für den Beginn des mittelalterlichen Salzabbaus im Hochtal von Hallstatt. Bei der Untersuchung der Seesedimente zeigte sich, dass dort ab dem 12. bis 14. Jahrhundert der Mensch weit stärker in die Umwelt eingegriffen hat, als in den Jahrhunderten davor.

Proben reichen bis in römische Zeit zurück

2012 nahmen die Forscher um Kerstin Kowarik von der Prähistorischen Abteilung des NHM gemeinsam mit dem Deutschen GeoForschungszentrum in 120 Metern Wassertiefe Proben von Ablagerungen bis in Tiefen von etwa acht Meter unter dem Seegrund. Die in Schichten, ähnlich der Jahresringe bei Bäumen, abgesetzten Sedimente enthalten Informationen über frühere Ereignisse, da sie sich zum Teil aus Materialen zusammensetzen, die aus der Umgebung in den See eingetragen wurden. So kann etwa anhand von konservierten Pollen auf die jeweilige Verteilung von Pflanzen in der Region geschlossen werden.

Bei der Analyse der Sedimente habe sich gezeigt, dass die zutage beförderten Ablagerungen nur bis etwa in die Jahre 300 bis 350 und damit nicht bis in die Hallstatt- oder gar die Bronzezeit zurückreichten. "Da sind wir also noch knapp in der römischen Zeit", erklärte Kowarik. Der Grund liegt darin, dass sich im Hallstätter See weit mehr Sedimente abgelagert haben, als ursprünglich vermutet. In Zukunft möchten die Forscher noch tiefer bohren, um tatsächlich bis zu Ablagerungen aus der Bronzezeit zu kommen.

Starke Eingriffe in die Umwelt

Aus den aktuellen Bohrkernen lasse sich aber auf eine starke Veränderung der Seeumgebung um den Zeitraum zwischen dem 12. bis 14. Jahrhundert schließen. Die jährlichen Ablagerungen nahmen von da an merklich zu und auch die Zusammensetzung der Pollen veränderte sich. "Es gibt starke Eingriffe in den Wald. Die Baumpollen reduzieren sich, man findet weit mehr Getreidepollen und auch solche von anderen Kulturpflanzen. Der Mensch greift also viel stärker in die Kulturlandschaft ein als vorher", so Kowarik. Die Annahme, dass das mit dem Beginn des mittelalterlichen Salzabbaus zusammenhänge, liege nahe. Dass dort im Mittelalter wieder abgebaut wurde, wusste man zwar aus wenigen schriftlichen Quellen, allerdings gab es bisher keine konkreten Hinweise auf den Beginn.

Kowarik: "Es ist für uns ganz spannend, dass wir hier den mittelalterlichen Bergbau möglicherweise tatsächlich fassen könnten." Das schüre die Hoffnung, auch in früheren Epochen große Veränderungen in der Dimension des immer wieder endenden und neu beginnenden Salzabbaus erkennen zu können, denn schon zwischen dem bronzezeitlichen Bergbau und der Bergbauphase in der älteren Eisenzeit gebe es Lücken. Auch danach gab es scheinbar immer wieder keinen oder nur sehr wenig Bergbau.

Weitere Forschungen nötig

Gerade die Römerzeit in Hallstatt ist mit vielen Fragezeichen behaftet, da eine größere römische Siedlung und ein Gräberfeld zwar nachgewiesen wurden, man aber keinen Beleg für Bergbau habe. Es gebe allerdings aus heutiger Sicht keine sonstigen Gründe, sich dort anzusiedeln, meint die Forscherin. Ob weitere Informationen vom Seegrund diese Lücken auffüllen können, sei eine sehr spannende Frage, so Kowarik.

Anhand weiterer Proben soll auch geklärt werden, was die Menschen in Zeiten des umfangreichen bronzezeitlichen Abbaus dort taten. Ob es etwa große Rodungen der Wälder oder intensiven Anbau von Feldfrüchten gab, könnte u.a. zeigen, wie sehr der stark exportorientierte Standort von Güterimporten abhängig war.

Aktuell wird zudem in Kooperation mit Forschern der Universität Bern die schlammige Zusammensetzung des Seegrundes mit reflektionsseismischen Methoden genau vermessen. Aus diesen Daten könne man etwa Rückschlüsse auf vergangene Erdrutsche, Bergstürze oder über Erdbeben ziehen. In Verbindung mit weiteren Analysen, wie etwa von Proben aus Mooren aus der Umgebung von Hallstatt oder mit Untersuchungen der im Bergwerk aufgrund der konservierenden Eigenschaften des Salzes erhaltenen Hölzer, wollen die Wissenschafter ein umfangreiches Bild der Umwelt- und Wirtschaftsgeschichte der Region zeichnen. (APA/red, derStandard.at, 2. 4. 2014)

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