Zentralafrika: 19.000 Muslime laut UNO in Lebensgefahr

1. April 2014, 18:28
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Christliche Milizen drohen, Muslime in der Hauptstadt Bangui zu töten

Genf/Bangui/Addis Abeba - In der Zentralafrikanischen Republik müssen nach Angaben der Vereinten Nationen 19.000 Muslime dringend vor christlichen Milizen in Sicherheit gebracht werden. "Wir wollen nicht danebenstehen und zusehen, wie Menschen abgeschlachtet werden", sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks am Dienstag in Genf. Das Leben der Muslime sei in Gefahr.

"Das UNHCR steht bereit, um bei ihrer Evakuierung in sicherere Gebiete innerhalb und außerhalb des Landes zu helfen." Einzig die Präsenz der 2.000 französischen Soldaten und der 6.000 Mann starken Friedenstruppe der Afrikanischen Union verhindere derzeit, dass die Muslime in der Hauptstadt Bangui sowie in anderen Orten getötet würden, so UNHCR-Sprecherin Fatoumata Lejeune-Kaba. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk plant deshalb, die rund 19.000 Muslime zu evakuieren, um sie vor den christlichen Anti-Balaka-Milizen zu schützen.

Umsiedlung erwogen

Die Milizen kontrollierten die Hauptstraßen nach Bangui sowie mehrere Städte und Dörfer im Süden und Südwesten des Landes, erläuterte Lejeune-Kaba. "Das Problem ist, dass die Anti-Balaka immer verwegener und militarisierter werden", so die UNHCR-Sprecherin. Das Flüchtlingshilfswerk und seine Partner wollen nun mehr Personal in die Konfliktregionen entsenden. Gleichzeitig prüfe man die Verlegung gefährdeter Personen nach Kabo und Moyen Sido im Norden des Landes. "Die Umsiedlung schließt aber nicht deren Rückkehr aus", so Lejeune-Kaba.

UN-Menschenrechtssprecherin Cecile Pouilly sagte, die Sicherheitslage in der Zentralafrikanischen Republik habe sich weiter verschlechtert. Allein seit dem 22. März seien mindestens 60 Menschen in Bangui getötet worden. Daher sei es dringend nötig, wie von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gefordert Tausende weitere Blauhelme und Polizisten in das Land zu entsenden.

EU-Militäreinsatz beschlossen

Die Europäische Union hat offiziell einen Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik beschlossen. Der Europäische Rat habe dem Einsatz zugestimmt, teilte die Sprecherin Susanne Kieffer am Dienstag über Twitter mit. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hatte am Samstag in Brüssel mitgeteilt, der Weg für die Mission sei geebnet.

Frankreich hatte am 5. Dezember militärisch in Zentralafrika eingegriffen, um der blutigen Gewalt zwischen Christen und Muslimen Einhalt zu gebieten. Auf Forderung der Regierung in Paris beschlossen die EU-Staaten, eine europäische Militärmission in das Land zu entsenden. Die Vorbereitungen verliefen jedoch schleppend. Der EU-Militäreinsatz stand vor allem wegen Transportproblemen auf der Kippe.

Bisher sind etwa 6.000 Soldaten der Afrikanischen Union (AU) sowie rund 2.000 französische Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik im Einsatz. Später sollen UN-Soldaten die Stabilisierung des von Gewalt und Unruhen erschütterten Landes übernehmen.

Seit Wiederaufflammen der Gewalt in Bangui vergangene Woche stieg die Zahl der Vertriebenen in Zentralafrika: Binnen Wochenfrist wurden rund 16.000 Menschen von ihrem Zuhause vertrieben. Der UNHCR spricht von insgesamt 637.000 Vertriebenen; dazu kommen rund 82.000 Menschen, die über die Grenze nach Kamerun, Tschad oder die Demokratische Republik Kongo geflüchtet sind.

UN-Vertreter haben bereits davor gewarnt, dass ein Völkermord droht. Die Zentralafrikanische Republik versinkt seit einem Putsch muslimischer Rebellen im vergangenen Jahr im Chaos. Morde und Plünderungen der Aufständischen haben zu Vergeltungsaktionen christlicher Milizen geführt. (APA/Reuters, 1.4.2014)

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