"Die Demokratie braucht aktivere Bürger"

1. April 2014, 18:10
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Hannes Androsch fordert mehr Engagement der ÖH

Wien - Wenn es um stagnierende Forschungsförderbudgets geht, wiederholt Hannes Androsch seit Jahren gebetsmühlenartig die gleiche Forderung: Österreich müsse zur "Innovationsdynamik" zurückkehren, sonst verliere das Land den Anschluss an die Zukunft, sagt der Vorsitzende des Rats für Forschung und Technologiepolitik. Im Zusammenhang mit der derzeitigen Zuspitzung der Finanzierungskrise legt er im Gespräch mit dem Standard nach: Der Staat müsse zumindest die geforderten 1,6 Milliarden Euro zusätzlich für die Jahre 2016 bis 2018 zur Verfügung stellen, alles andere wäre "grob fahrlässig" und "zukunftsvergessen".

Das Wissenschaftsministerium hat, wie berichtet, für Unis, die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und den Wissenschaftsfonds FWF diesen zusätzlichen Minimalbedarf errechnet, der nötig wäre, um den Normalbetrieb in diesen Institutionen künftig aufrechterhalten zu können.

Für den FWF, den größten Förderer von kompetitiver Grundlagenforschung in Österreich, wären in diesem Paket 81 Millionen jährlich reserviert. Gehen diese Mittel allerdings nicht an den Fonds, bricht sein Budget von derzeit knapp über 200 Millionen Euro auf die Hälfte ein.

Androsch: "Das würde den Braindrain der besten Studenten ins Ausland verschärfen." Beim jeden Herbst stattfindenden Austrian Science Talk in den USA könne er, Androsch, diese Wissenschafter treffen, und er kenne schon die Antwort auf die Frage, ob sie zurückkommen wollen: "Warum sollte ich? Hier habe ich bessere Zukunftschancen."

Die Onlinepetition "Wissenschaft ist Zukunft", die die Forderung nach zusätzlichen 1,6 Milliarden Euro unterstützt, sei immerhin ein erstes Zeichen des Protests gegen drohende Sparmaß-nahmen.

Androsch zeigt sich aber über die Inaktivität der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) verwundert. "Wir haben in Österreich 300.000 Studierende, die wären alle von einem radikalen Einschnitt für Unis und FWF betroffen. Ich frage mich daher, warum nicht mehr von ihnen unterschrieben haben", sagt Androsch. Die von der ehemaligen Präsidentin des Europäischen Forschungsrats ERC, Helga Nowotny, initiierte Petition ist seit 17. März online, bis dato haben 46.000 Menschen unterzeichnet.

Androsch: "Die Demokratie braucht aktivere Bürger." Es sei schwierig, die Wissenschaftscommunity zu motivieren, weil es "vielen relativ gut geht, weshalb sie bequem geworden sind". Der Forschungsrat warnt aber auch vor Stagnation in der anwendungsorientierten Forschung. "Die Ideen müssen ja auch umgesetzt werden." Auch hier stünden die Signale nicht auf Ausweitung der Mittel (siehe nebenstehenden Bericht).

Am Dienstag meldete sich auch ÖVP-Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle zu Wort: "Investitionen in Wissenschaft und Forschung sind als wesentlicher Zukunftsbeitrag unabdingbar", sagte der ehemalige Wissenschaftsminister. Zuletzt seien diese Bereiche von notwendigen Budgetkonsolidierungen ausgenommen gewesen. Diese Anstrengungen müsse man fortsetzen, fordert Töchterle.

Die Onlinepetition sieht er als Rückenwind für die Politik. Sie soll in den kommenden Tagen an die Spitzen der Regierung übergeben werden. (Peter Illetschko, DER STANDARD, 2.4.2014)

  • Forschungsratschef Hannes Androsch.
    foto: apa

    Forschungsratschef Hannes Androsch.

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