Eine Erfolgsgeschichte mit unsicherer Zukunft

5. April 2014, 17:58
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Die Förderagentur FFG blickt auf zehn erfolgreiche Jahre zurück - Noch nie konnten so viele KMUs bei ihren Forschungsaktivitäten unterstützt werden

Wien - In Zeiten von Budgetlöchern sind positive Nachrichten aus der Forschungsförderung selten geworden. Am Dienstag war zum Beispiel folgende zu hören: Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG kann für 2013 auf einen Auszahlungsrekord in Höhe von 436 Mio. Euro (2012: 427 Mio. Euro) verweisen.

Als die Agentur vor zehn Jahren startete, gingen vergleichsweise nur 224 Millionen Euro an die Antragsteller, die in Industrieunternehmen, KMUs, Forschungseinrichtungen und Universitäten für kooperative Forschungsprojekte zu finden sind. Vor allem der Mittelstand habe in den vergangenen zehn Jahren von den Mitteln der FFG profitiert, sagten deren Geschäftsführer Henrietta Egerth und Klaus Pseiner. 2004 waren es noch 832 Unternehmen dieser Größenordnung, die Gelder einwerben konnten, 2013 waren es immerhin schon 1440.

Reduzierte Mittelbindung

In der positiven Bilanz schwang freilich ein "Aber" mit: Das Budget 2014 sei noch unklar, vor allem Geldquellen wie die Nationalstiftung würden der FFG wegbrechen. Die voraussichtliche Mittelbindung für 2014 deutet freilich auf einen Rückgang hin: 502 Millionen Euro sind hier einmal veranschlagt, im vergangenen Jahr waren es 587 Millionen. Egerth und Pseiner weisen darauf hin, dass es aufgrund von Ausschreibungen wie dem Kompetenzzentrenprogramm "Comet" schon zu Schwankungen kommen könne. Im nächsten Jahr werde man dann sehen, ob es deutliche Signale für ein weiteres Wachstum gibt.

Klaus Pseiner sprach auch das Ranking "Innovation Union Scoreboard" an, in dem Österreich mit 2,81 Prozent F&E-Quote derzeit auf Platz zehn liegt. Hier werden die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung gelistet: Deutschland liegt mit knapp mehr als Österreich, mit 2,92 Prozent, immerhin auf Platz drei. Die Spitzenplätze haben skandinavische Länder wie Schweden und Finnland inne, sie sind damit die "Innovation Leader".

Vor drei Jahren gab die österreichische Bundesregierung noch die Devise aus, zu diesen Ländern aufschließen zu wollen, damals war man freilich noch auf Platz sechs gereiht. Pseiner sieht die Gründe des Rückfalls: Hierzulande gelänge es kaum, über öffentliche Mittel private Investitionen in die Forschung auszulösen.

Österreich könne aber seine Position trotz Budgetrestriktion halten, meinte Pseiner. Man müsse das Budget "shapen", um gezielt Maßnahmen setzen zu können, etwa Verbesserungen bei der Überleitung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte, wo das Land hinterherhinke. Egerth wünscht sich, dass der "Pakt für Forschung" in Deutschland, der ein kontinuierliches Wachstum verspricht, hierzulande als Vorbild genommen wird.

Ungebrochene Nachfrage

Die Nachfrage nach FFG-Förderungen sei ungebrochen hoch - man könne nur rund 20 Prozent der ursprünglich beantragten Kosten nach Juryentscheidungen bewilligen. Dabei würde jeder FFG-Förder-Euro mehr als zehn Euro zusätzliche Umsätze beziehungsweise Lizenzerlöse bewirken, heißt es im von der KMU Forschung Austria durchgeführten Wirkungsmonitoring. Eine Rechnung, die offenbar zum Nachahmen anregt: Die Zahl der forschenden Unternehmen ist zwischen 2002 und 2011 um immerhin 74 Prozent auf knapp 3400 gestiegen, sagen Egerth und Pseiner. (pi, DER STANDARD, 2.4.2014)

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