Frankreich folgt Griechenland: Neuer Europroblemfall

Kommentar1. April 2014, 17:30
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Die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU weitet das Defizit aus, anstatt es zu verringern

Man sollte von der politischen Bühne dann abtreten, wenn es am Schönsten ist - im Moment des Erfolgs. Das mag sich der griechische Finanzminister Yannis Stournaras gedacht haben, als er dieser Tage - noch inoffiziell - den Rücktrittt ankündigte. Der gelernte Wirtschaftsprofessor will Chef der Notenbank werden.

Es wäre die Belohnung für seine Arbeit als Troubleshooter im schwierigsten Problemland der Währungsunion. Die Eurominister persönlich gaben Stournaras den Ritterschlag, indem sie alle jene Hilfsgelder aus dem Rettungsfonds freimachten, die die Finanzierung Griechenlands weit bis ins Jahr 2015 absichern. Das ist nicht wenig, wenn man bedenkt, wie vor nicht allzu langer Zeit über "die faulen Griechen" geredet wurde und manche das Land aus Euro und EU rauswerfen wollten. Davon ist nach brutalen Einschnitten mit viel Leid bei den Bürgern keine Rede mehr.

Dafür gibt es einen neuen Problemfall in der Eurozone, der wegen der Bedeutung des Landes größer ist, als es Griechenland je war: Frankreich. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU weitet das Defizit aus, anstatt es zu verringern; die Schulden klettern nach oben. Was wächst, ist nicht die Wirtschaft, sondern der Abstand zum Achsenpartner Deutschland. Insofern kommt der neue Premierminister Manuel Valls, ein Sozialdemokrat des Dritten Wegs, um keinen Tag zu spät. Frankreich muss sich gewaltig reformieren - statt links zu träumen und rechts zu wählen. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 2.4.2014)

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