Dortmunder Aschenputtel und der verwundete König

1. April 2014, 17:12
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Rumpftruppe aus dem Ruhrpott will gegen Real Madrid erneut bestehen - Deutsche sehen sich dennoch als klare Außenseiter - Gigantentreffen in Paris zwischen PSG und Chelsea

Vom Finalisten zum "Aschenputtel": Vor der erhofften Champions-League-Sternstunde bei Real Madrid gab sich Borussia-Dortmund-Coach Jürgen Klopp als Tiefstapler. Mit Verweis auf die großen Unterschiede beim Budget und auf die Personalnot seines Teams verglich er die Dortmunder kurzerhand mit der Märchenfigur. Real will diesmal Revanche für das Halbfinal-Out 2013 nehmen und die "Decima" schaffen.

Seit dem Triumph 2002 warten die Madrilenen auf diesen zehnten Gewinn des wichtigsten Europacup-Bewerbs. "Wir nähern uns dem Bewerbsende und sind in guter Verfassung. Jeder im Verein hat den Traum von der Decima, den wir zusammen realisieren können", sagte Real-Trainer Carlo Ancelotti vor dem Viertelfinal-Hinspiels am Mittwochabend (20.45 Uhr/live ZDF) in Madrid.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sieht seine Borussen trotz der Endspielteilnahme im Vorjahr als Underdog. "Die Chancen stehen nicht übermäßig gut. Wir sind klarer Außenseiter. Aber das waren wir in der vorigen Saison auch", sagte Watzke vor dem Abflug am Dienstag.

Sein Team wolle "ein starker, unangenehmer Gegner sein", ergänzte Klopp. Und: "Ich bin ruhig. Wir werden unsere Möglichkeiten haben." Den meisten Fachleuten fällt es indes schwer, an ein neuerliches Wunder zu glauben. Denn im Gegensatz zur Saison 2012/13, als der BVB sowohl in der Gruppenphase als auch im Halbfinale Real besiegte, steht diesmal nur eine Rumpfelf zur Verfügung.

Ohne Lewandowski um die Hoffnung

Von der Startformation, die beim 4:1-Heimsieg im Halbfinal-Hinspiel über Real im April 2013 für Furore gesorgt hatte, sind am Mittwoch nur noch vier Spieler dabei. Neben den Dauerverletzten Ilkay Gündogan, Neven Subotic, Jakub Blaszczykowski, Sven Bender und Marcel Schmelzer fehlt im Estadio Bernabeu auch noch Robert Lewandowski. Die Gelb-Sperre des polnischen Nationalspielers wiegt besonders schwer, schließlich hatte er in den vergangenen vier Duellen mit den Spaniern fünfmal getroffen - allein viermal beim 4:1 im Halbfinal-Hinspiel. "Auf jeden Fall besitzen wir im vorderen Bereich ein paar Optionen. Aber eines ist klar: Robert ist nicht zu ersetzen", sagte Kapitän Sebastian Kehl.

Das neuerliche Kräftemessen wird damit zum Herkules-Akt. Schließlich ist Real neben dem Lokalrivalen Atletico das einzige im laufenden Bewerb noch ungeschlagene Team. Zudem trifft Weltfußballer Cristiano Ronaldo, der am Mittwoch sein 100. Spiel in der Königsklasse bestreitet und nach 13 erzielten Treffern den Saisonrekord von 14 Champions-League-Toren angreift, derzeit nach Belieben.

Das bekam im Achtelfinale schon der Schalke 04 zu spüren (1:6, 1:3). Den jüngsten Niederlagen von Real in der Primera Division gegen den FC Barcelona und beim FC Sevilla misst Dortmund-Verteidiger Mats Hummels deshalb keine große Bedeutung bei: "Ich sehe da keine Krise. Ich sehe da eine Anhäufung von verdammt vielen Weltklassespielern."

Real muss allerdings auf Verteidiger Marcelo verzichten. Der Brasilianer erlitt am Montag im Training einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel und wird damit auch das Rückspiel am Dienstag in Dortmund verpassen.

Der Kracher der Kassen

Im zweiten Mittwoch-Viertelfinale empfängt Paris St. Germain den englischen Titelaspiranten Chelsea, der neben dem am Knie verletzten Außenverteidiger Ashley Cole auch auf Stürmer Samuel Eto'o verzichten muss. Der 33-jährige Kameruner fehlt wegen einer Oberschenkelverletzung, teilten die Londoner am Dienstag mit.

PSG-Stürmer Edinson Cavani hat keine Angst vor Psychotricks von Chelsea-Coach Jose Mourinho. "Der Trainer spielt nicht", meinte der Torjäger aus Uruguay. "Jeder weiß, dass er ein großartiger Trainer und Anführer ist. Wir haben gesehen, was er erreichen kann bei den Teams, die er geführt hat. Aber ich fürchte weniger den Coach als die Spieler von Chelsea."

Vor dem Duell erinnerte sich Cavani auch an das knappe Achtelfinal-Aus mit seinem damaligen Klub SSC Napoli gegen Chelsea vor zwei Jahren: "Persönlich nehme ich dieses Treffen als Revanche." Cavani war vor dieser Saison zu PSG an die Seite von Zlatan Ibrahimovic gewechselt, der mit bisher zehn Toren hinter Christiano Ronaldo die Nummer zwei in der CL-Torschützenliste ist. Den Rekord von 14 Saisontreffern teilen sich Lionel Messi (Barcelona, Saison 2011/12), Ruud van Nistelrooy (Manchester United, 2002/03) und Jose Altafini (AC Milan, 1962/63). (APA, 1.4.2014)

  • Der Dortmunder Schuh zwickt.
    foto: reuters/rehle

    Der Dortmunder Schuh zwickt.

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