Integration über die Lehre im Tourismus

1. April 2014, 17:42
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Jugendliche Flüchtlinge absolvieren in Vorarlberger Topbetrieben eine Lehrausbildung

Bregenz - Amel Demiri und die Vorarlberger Caritas waren Vorkämpfer gegen das Beschäftigungsverbot für minderjährige Flüchtlinge. Als der Standard den jungen Mann vor zwei Jahren in Sulzberg/Bregenzerwald besuchte, durfte er die gewünschte Kochlehre trotz Lehrplatzes und eines engagierten Lehrherrn nicht machen. Mittlerweile hat sich die Situation jugendlicher Flüchtlinge geändert. Seit einem Jahr dürfen Asylwerber, die noch nicht 25 Jahre alt sind, eine Lehre machen.

"Integration im Tourismus" heißt ein Pilotprojekt von Wirtschaftskammer und Caritas Vorarlberg. Bis zu zwölf junge Flüchtlinge, deren Asylverfahren läuft, bekommen Lehrplätze in der Tourismusbranche. Aktuell machen acht Jugendliche die Koch-, Service- oder Gastronomiefachmann-Lehre. "Ihr Engagement und ihre Begeisterung sind oft größer als von einheimischen Jugendlichen", lobt Andrea McGowan, Direktorin der Landesberufsschule für das Gastgewerbe.

Sorgen, Nöte und der Rucksack

Wo es an der Basis, den Deutschkenntnissen, fehlt, hilft die Caritas mit Kursen. Die acht Lehrlinge werden von Caritas-Mitarbeiterin Lisa Lugmayr betreut. Sie vermittelt, hilft bei Sorgen und Nöten: "Die jungen Menschen haben alle ihren Rucksack mit. Fluchterfahrungen, die Trennung von der Familie, machen ihnen zu schaffen."

Auch den Lehrbetrieben steht ein Caritas-Vermittler zur Seite. "Wir haben die Betriebe sehr sorgfältig ausgewählt und sammeln erste Erfahrungen mit der Integration", sagt Gastronom Elmar Herburger. Die Tourismusbranche habe man sich als Partner gesucht, "weil sie Kernkompetenz für Interkulturelles hat", begründet Karoline Mätzler, Fachbereichsleiterin der Caritas.

Ashkan Sohrabi Zamani (18), Schrunser aus dem Iran, lernt seit neun Monaten im Hotel Zimba. Er wird Koch. Seine Zukunftspläne? "Ich will auf jeden Fall hier in Österreich bleiben." Trotz Lehrstelle und eigenen kleinen Einkommens hänge auch über den Jugendlichen ein Damoklesschwert, bedauert Karoline Mätzler. Ob sie die begehrte Rot-Weiß-Rot-Karte bekommen, ist ungewiss. Mätzler: "Wo immer sie landen, sie haben etwas gelernt." (jub, DER STANDARD, 2.4.2014)

  • Im Februar 2012 durfte Amel Demiri noch keine Lehre machen. Mittlerweile hat er die Rot-Weiß-Rot-Karte, lernt im Bregenzerwald Elektriker. 
    foto: stiplovsek

    Im Februar 2012 durfte Amel Demiri noch keine Lehre machen. Mittlerweile hat er die Rot-Weiß-Rot-Karte, lernt im Bregenzerwald Elektriker. 

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