Pubertierende Hunde lernen am schnellsten

1. April 2014, 17:33
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Die Ähnlichkeiten zwischen Hund und Mensch sind größer als erwartet - Wiener Forscher haben nachgewiesen, dass Hunde in der Pubertät die steilste Lernkurve haben

Wien - Hunde können sich allerlei Tricks und Kunststücke aneignen. Doch in welchem Alter lernen Hunde am schnellsten? Und wie entwickelt sich ihre Fähigkeit zur Aufmerksamkeit mit fortschreitendem Alter? Um diese Fragen zu beantworten, hat Lisa Wallis vom Messerli-Forschungsinstitut an der Vetmed-Uni Wien 145 Border Collies im Alter zwischen sechs Monaten und 14 Jahren untersucht. Dabei traten große Ähnlichkeiten zwischen Hund und Mensch zutage, wie sie und ihre Kollegen im Journal "Frontiers in Psychology" berichten.

Die Forscher vom Clever Dog Lab führten zwei Tests durch: Beim ersten wurden die Tiere mit einem Kinderspielzeug konfrontiert, das plötzlich von der Decke baumelte. Dabei wurde gemessen, wie rasch sie auf das Objekt reagierten. In der zweiten Testsituation betrat eine dem Hund bekannte Person den Raum und gab vor, eine Wand anzumalen.

Dabei zeigte sich: Die "soziale" Aufmerksamkeit war bei Hunden aller Altersklassen größer als die "nichtsoziale". Das bedeutet, dass ein Objekt dann interessanter für den Hund ist, wenn sich ein Mensch damit beschäftigt. Alle Hunde reagierten also rascher auf die Malerrolle in den Händen der Person als auf das Spielzeug, das von der Decke hing. Allerdings stellte sich heraus, dass ältere Hunde, ähnlich wie reife Menschen, eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen. "Sie sind nicht so rasch aus der Ruhe zu bringen wie jüngere Hunde", sagt Wallis.

Eine weitere Parallele zeigte sich bei den jüngeren Studienteilnehmern. Nicht nur Menschen erleben während der Pubertät eine schwierige Phase, auch Hunde machen Ähnliches durch. Dabei leidet die Konzentrationsfähigkeit. Die ein- bis zweijährigen Border Collies waren daher etwas leichter abzulenken als ihre älteren Artgenossen und reagierten manchmal etwas verzögert.

Gleichzeitig wiesen die pubertierenden Hunde die steilste Lernkurve auf. Nach mehreren Wiederholungen des Tests hatten sie ihre Leistung am schnellsten von allen verbessert. "Die Pubertät birgt also auch ein erhebliches Potenzial", betont Wallis.

Spitze im mittleren Alter

Hingegen scheinen die sensomotorischen Fähigkeiten und die selektive Aufmerksamkeit im mittleren Alter ihren Gipfelpunkt zu erreichen. Die drei- bis sechsjährigen Hunde erwiesen sich als die schnellsten, wenn es darum ging, unterschiedliche Aufgaben hintereinander zu lösen. Sie sollten eine Futterbelohnung, die von einer Person in den Raum geworfen wurde, finden, dann Blickkontakt mit der Werferin aufnehmen und ein erneut geworfenes "Leckerli" finden.

"Die sensomotorischen Fähigkeiten von Hunden mittleren Alters befinden sich unter den Testbedingungen auf einem Höchstniveau. Jüngere Hunde schnitten vermutlich schlechter ab, weil sie insgesamt weniger Erfahrung haben", erklärt Wallis. Auch vom Menschen weiß man, dass diese Fähigkeiten im mittleren Erwachsenenalter von etwa 20 bis 39 Jahren einen Höhepunkt erreichen.

Aufgrund der Parallelen zur menschlichen Entwicklung könnten Hunde als Modelltiere für den Verlauf des Aufmerksamkeitsdefizits ADHS oder Alzheimer dienen, hoffen die Forscher. Aktuell erforscht Wallis die Auswirkungen von Ernährung auf die kognitiven Fähigkeiten von älteren Hunden. Dazu werden noch Hundebesitzer gesucht, die gern an einer Langzeitstudie teilnehmen möchten. (Elisabeth Guggenberger, DER STANDARD, 2.4.2014)

  • Kein Kunststück für junge Hunde: In der Pubertät lernt es sich am schnellsten. Im mittleren Alter erreichen die sensomotorischen Fähigkeiten ein Höchstniveau.
    foto: ap / dapd / bela szandelszky

    Kein Kunststück für junge Hunde: In der Pubertät lernt es sich am schnellsten. Im mittleren Alter erreichen die sensomotorischen Fähigkeiten ein Höchstniveau.

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