Ein Clown abseits der Oper

1. April 2014, 17:25
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Thomas Quasthoff lebt seinen Sinn für Humor aus: Mit Michael Frowin präsentiert er das amüsante Programm "Keine Kunst"

Wien - Es war ein Rückzug in Etappen: Im Oktober 2006 gab Thomas Quasthoff bekannt, keine Opern mehr zu singen, drei Jahre später kündigte er nach einer Kehlkopfentzündung an, auch keine Jazzkonzerte mehr zu geben. Und im Jänner 2012 wurde bekannt, dass sich der Bassbariton, 1959 in Hildesheim mit einer Conterganschädigung geboren, aus gesundheitlichen Gründen als Sänger endgültig von der Bühne zurückzieht.

Ganz so stimmt es zum Glück nicht. Denn Quasthoff, ein exzellenter Stimmenimitator und Grimassenschneider, hat immer schon viel Humor bewiesen. Und nun stellt er sich eben als Kabarettist vor: Zusammen mit Michael Frowin präsentiert er noch heute, Mittwoch, im Stadtsaal das Programm Keine Kunst. Als roter Faden dient die Frage, wann etwas als Kunst gilt.

Quasthoff erzählt, dass er von einem Musikkritiker in einer Nürnberger Zeitung als "schwerbehinderter Zwerg" bezeichnet worden sei. Da habe er diesen angerufen, sich als Adolf Hitler vorgestellt und gesagt: "Das haben Sie gut gemacht!"

Er selbst aber macht über seine Unzulänglichkeiten Witze ohne Ende; und die sind mitunter ziemlich brutal. Zusammen mit Frowin bringt er zu Beginn aus dem Off einen Dialog an der Kassa: Zwei Berliner fragen sich, ob Quasthoff immer schon so ein "abgebrochener Meter" gewesen sei - und kommen zur Überzeugung, dass er sich operieren habe lassen. Am liebsten zieht Quasthoff, der das Hietzinger Wienerisch perfekt nachzuäffen versteht, über die Dummheit der Bildungsbürger her. Wunderbar böse ist ein Foyergespräch im Musikverein: "In die Burg geh ich nicht mehr, die ist ja so verschuldet." Zwischen den Nummern singt Quasthoff, begleitet von Jochen Kilian am Flügel, aber doch - etwa ein Chanson über das klischeetypische Treiben am Hauptbahnhof von Paris (den es ja nicht gibt). Und als Zugabe intoniert er mit Frowin den Sondheim-Klassiker Send in the Clowns. Seufz! (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 2.4.2014)

Stadtsaal, 20.00

  • Klassisches Musikkabarett: Michael Frowin und Thomas Quasthoff.
    foto: bernd brundert

    Klassisches Musikkabarett: Michael Frowin und Thomas Quasthoff.

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