Günter Eichs Sinnsuche am Rande der Welt

1. April 2014, 17:39
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Roland Berbig präsentiert am Donnerstag seine Teilbiografie "Am Rande der Welt. Günter Eich in Geisenhausen 1944-1954" im Salzburger Literaturhaus

In der deutschsprachigen Nachkriegsliteraturgeschichte nimmt Günter Eich vor allem wegen seiner Gedichte und Hörspiele eine wichtige Position ein. Dennoch fehlten bisher fundierte Biografien zum Außenseiter, der immer wieder versuchte, sich neu zu erfinden - in den letzten Lebensjahren etwa durch das Zerstören gängiger poetischer Konventionen. Morgen, Donnerstag, präsentiert der Berliner Literaturwissenschafter Roland Berbig seine Teilbiografie Am Rande der Welt. Günter Eich in Geisenhausen 1944-1954 (Wallstein-Verlag 2013) im Salzburger Literaturhaus, also in der Stadt, wo Eich im Dezember 1972 in einem Krankenhaus verstarb.

Für sein Buch machte Berbig unbekannte Quellen ausfindig, um einen entscheidenden Lebensabschnitt des Dichters am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruieren zu können. Günter Eich wurde 1907 im brandenburgischen Lebus/Oder geboren, dort und in Berlin wuchs er auf. Nach abgebrochenem Sinologie-, Wirtschafts- und Jusstudium lebte er ab 1932 als freier Schriftsteller in Berlin, wo er auch seine ersten Hörspiele und Gedichtbände veröffentlichte. 1939 musste er als Soldat in den Krieg ziehen, 1944 verschlug es ihn in das niederbayerische Provinzkaff Geisenhausen bei Landshut, wohin er nach der US-Kriegsgefangenschaft wieder zurückkehrte.

Er lebte im Haus der tiefreligiösen Familie des Spenglermeisters Hans Schmid, dort musste er sich den Folgen von Krieg, NS-Regime und dessen Vernichtungspolitik stellen - das "Tausendjährige Reich" hatte in Eich eine Lebenskrise ausgelöst. Schließlich fand er zu einem neuen poetischen Ausdruck zwischen naturlyrischer Innigkeit und desillusionierter Sprache. Noch zentraler aber für die eigene Traumabewältigung mag wohl seine Liebe zur Wiener Kollegin Ilse Aichinger gewesen sein, mit der Eich dann später im oberbayerischen Lenggries sowie in Großgmain bei Salzburg zusammenlebte. Seit 1953 war das Paar auch verheiratet, Berbig zitiert aus dem berührenden Briefwechsel der beiden. Buchpräsentation mit Lesung und Gespräch. (dog, DER STANDARD, 2.4.2014)

Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11, 3.4., 20.00

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