Mauscheln und Tauscheln im Schatten der Weißwurst

Analyse1. April 2014, 17:04
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Karin Bergmann erhielt von Klaus Bachler vor Jahren eine "Donation"

Wien - Die Situation am Haus sei katastrophal, sagte die interimistische Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann bei ihrem Amtsantritt. "Es brennt!" , setzte sie kürzlich im Standard-Interview nach. Der dramatische Befund scheint zutreffend - allerdings nicht erst für die jüngste Zeit. Die Frage, wer wofür warum welche Gage in bar oder per Überweisung oder als Schenkung bekam, scheint an der Burg eher nach generöser Gutsherrenart geklärt worden zu sein.

So wie die Mama, die ihrem Töchterchen am Samstagabend einen Extra-Fünfziger zusteckt, weil sie am Nachmittag beim Staubsaugen geholfen hat; so steckte der damalige Burgtheaterchef Klaus Bachler seiner Vizedirektorin Bares zu, weil sie ihn arbeitsmäßig entlastet hatte.

Und so wie in der Kleinfamilie der Papa zustimmend nickt, dass die Fleißaufgabe der Tochter honoriert wird, so stimmte im Falle der emsigen Vizechefin Holding-Geschäftsführer Georg Springer der Transaktion wohlwollend zu. Das alles ist vielleicht nicht gesetzeswidrig. Aber seltsam intransparent ist es allemal.

Karin Bergmann kann die Summe jedenfalls ad hoc nicht nennen. Es sei nicht die Hälfte des Bachler-Honorars gewesen, "aber es war in Ordnung", sagte sie dem Kurier und versicherte in einer schriftlichen Stellungnahme, die Summe zu klären. Sollten es mehr als 15.000 Euro gewesen sein, werde sie es, wie vom Gesetz verlangt, dem Finanzamt melden. Ein finanzieller Pallawatsch bleibt es - und eine steuertechnisch interessante Frage. Natürlich gibt es private Donationen, also Geldgeschenke. Doch diesfalls wurde von Bachler Mehrarbeit honoriert. Gilt dies als Zusatzeinkommen? Kann ich, zum Beispiel, meiner Putzfrau das Salär für ihre Arbeit schenken - und sie sich daher eventuell Steuern ersparen?

Zur Erinnerung: Klaus Bachler verbrachte wegen seines neuen Jobs an der Münchner Staatsoper sein letztes Burg- Direktionsjahr 2008/09 mehr in der Weißwurstmetropole als in Wien. Deshalb erwuchs der Vizedirektorin Mehrarbeit. Es war das Jahr, als Silvia Stantejsky angeblich erstmals ihre kreativen Abschreibmethoden anwandte. Sollte Karin Bergmann auch ein Auge auf die kaufmännischen Agenden werfen?

Warum hat die Holding nicht hochoffiziell die Gagen umgeschichtet - und dem mehrheitlich absenten Bachler, wenn schon nicht den Vertrag gekündigt, so doch weniger und der Vielarbeiterin Bergmann mehr überwiesen? Es ist das Gemauschle und Unter-der-Hand-Getauschle, das einen unguten Beigeschmack hat.

"Kein Kommentar" zur Burg kommt von der damals verantwortlichen Kulturministerin - und ehemaligen Bankerin - Claudia Schmied: "Ich schau nach vorn." Interessante Antwort. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 2.4.2014)

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