Es war höchste (Sommer-)Zeit für die erste Petition

Blog1. April 2014, 14:36
88 Postings

Die digitale Petitionsinflation nervt – aber irgendwann reicht es einfach und man startet selbst eine Aktion

Sie gehen auf den Geist, sie ziehen den letzten Nerv: diese ewigen Petitionen! Kaum ein Tag, an dem nicht wieder einer die Welt ein bisserl retten will und mit "nur noch ein paar Tage" appelliert, dass man schnell, schnell noch unterschreiben soll. Bei einigen macht man selbstverständlich mit. Der große Aufruf gegen die Saatgutverordnung der EU zum Beispiel – da ist man im Nachhinein schon froh und fühlt sich ein klein wenig besser, weil man auch mit dabei war. Aber sonst? Bitte Gnade!

Bis dann der Moment kommt, an dem man selber schwach wird. Und zum ersten Mal im Leben eine Onlinepetition selbst startet. (ironiestatus: on) Irgendwann einmal sind das Ohnmachtsgefühl und die Wut über aufgezwungene Regeln und Zwangsverordnungen einfach zu groß. Und wann ist das Ohnmachtsgefühl am größten? Genau: in der Früh beim Aufwachen. Und wenn man dann noch zu nachtschlafener Zeit eine ganze Stunde früher aus dem Bett gescheucht wird, steigert sich die Wut in regelrechte Raserei. (ironiestatus: off)

Anschlag auf den Biorhythmus

Tatsächlich ist aber die zweimalige Zeitumstellung im Jahr – ganz im Ernst – ein einziger Anschlag auf den biologischen Rhythmus. Eltern kleinerer Kinder werden das bestätigen können – vor allem jene, die der Überzeugung sind, dass ein guter Rhythmus und regelmäßige Tagesabläufe bei den Kleinen schon die halbe Miete ist. Und dann heißt es zweimal im Jahr: umstellen.

Oder die Landwirte. Jeder weiß: Die Kuh gibt Milch, wenn es Zeit ist. Und die richtet sich nicht nach vor- oder nachgestellten Uhren. Ich nehme einmal an, dass die Vifen unter den Bauern schon längst nicht mehr "umstellen", sondern jetzt einfach eine Stunde früher melken. Oder später? Ich hab das noch nie auf die Reihe bekommen, was jetzt in der Sommerzeit früher oder später ist. Nur eines weiß ich: dass man am letzten Sonntag eine Stunde länger schlafen konnte ... wenn man zwei Stunden früher ins Bett gegangen ist.

"Wider die Natur"

Ich hätte ja nie geglaubt, dass ich das einmal sagen oder schreiben würde – aber das Zeitumstellen ist "wider die Natur". So. Jetzt ist es heraußen. Und weil es einfach reicht, wurde die erste persönliche Onlinepetition gestartet: "Sommerzeit 4 ever". Mit der Forderung: Schluss mit der ständigen Umstellerei – die Sommerzeit soll zur Normzeit werden. Ganz einfach deshalb, weil es netter ist, wenn es abends eine Stunde länger hell ist.

Eine erstaunliche Entdeckung bei der aktuellen Beschäftigung mit dem Thema war übrigens: Den eigentlich angepeilten Energiespar-Effekt durch die Sommerzeit gibt es offenbar gar nicht. Weil die eine Stunde später Licht aufdrehen am Abend während der Randzeiten im Frühjahr und Sommer durch längeres Aufheizen am Morgen zumindest wieder ausgeglichen wird.

Hauptsache, das Herumfummeln hat ein Ende

Im Grunde ist es aber auch egal, ob die Winter- oder die Sommerzeit zur Normzeit wird – Hauptsache, das Herumfummeln an den Uhren hat endlich ein Ende. Auch wenn es von der Energiebilanz zumindest egal ist: Hier geht es um Nachhaltigkeit in der Lebensqualität.

Mal sehen, was jetzt passiert. Immerhin: Die Hürde der ersten hundert Unterstützerinnen und Unterstützer ist schon genommen. Okay, okay, okay, vielleicht war das Ziel von 500.000 Unterstützern doch ein bisserl zu optimistisch gesteckt.

;-)

  • Wo die Sommer-Winterzeit-Regulatoren an ihre Grenzen stoßen: Der Sonne und ihrer Uhr sind die Stundenverrückungen vollkommen egal.
    foto: christian fischer

    Wo die Sommer-Winterzeit-Regulatoren an ihre Grenzen stoßen: Der Sonne und ihrer Uhr sind die Stundenverrückungen vollkommen egal.

Share if you care.