Handwerk und Gewerbe kämpfen um Umsätze

1. April 2014, 13:48
24 Postings

Preisbereinigt sanken die Verkaufserlöse im Jahr 2013 um 1,1 Prozent, nominell stagnierten sie. Eine Besserung ist laut KMU Forschung nicht in Sicht

Wien - Handwerk und Gewerbe müssen um ihre Umsätze kämpfen. 2013 verringerten sich die Verkaufserlöse gegenüber dem Jahr davor preisbereinigt um 1,1 Prozent. Nominell stagnierten die Erlöse. "Ein Umsatzplus von 0,0 Prozent ist betriebswirtschaftlich für viele Unternehmen ein Problem, da wir 2013 nicht unerhebliche Kostensteigerungen hatten", betont der Direktor der KMU Forschung Austria, Walter Bornett.

So hätten etwa die 2 bis 3 Prozent Mehrkosten für die Mitarbeiter nicht an die Kunden weiterverrechnet werden können. "Das geht zulasten der ohnehin nicht berauschenden Ertragskraft im Gewerbe und Handwerk", sagte Bornett am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Die durchschnittliche Umsatzrendite liege bei 2 Prozent.

Qualifizierte Mitarbeiter seien aber "quasi unser wichtigster Schatz im Betrieb", betonte die Branchensprecherin in der Wirtschaftskammer Österreich, Renate Scheichelbauer-Schuster. Auch Handwerk und Gewerbe leiden darunter, nicht genügend Fachkräfte zu finden. Österreichweit fehlten rund 14.000 Fachkräfte, schätzt Bornett.

Immerhin ein Drittel der Betriebe erzielte 2013 zumindest nominelle Umsatzsteigerungen von durchschnittlich 9,7 Prozent. 42 Prozent meldeten stagnierende Umsätze und gut ein Viertel der Unternehmen (26 Prozent) erlitt Umsatzeinbrüche von im Schnitt 12,8 Prozent.

Unter Gesamtwirtschaft

Während das österreichische Bruttoinlandsprodukt im abgelaufenen Jahr um 0,4 Prozent leicht anstieg, entwickelten sich die preisbereinigten Umsätze in Handwerk und Gewerbe rückläufig. "Wir hatten ein deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Ergebnis liegendes Ergebnis", so Bornett.

Besonders schlecht ging es den Stickern und Zahntechnikern mit einem preisbereinigten Umsatzeinbruch von im Schnitt 16,6 bzw. 9,7 Prozent. Deutlich negativ stiegen beispielsweise auch die Bildhauer (Umsatzminus von 8,5 Prozent), Kürschner (minus 7,5 Prozent), Metalldesigner (minus 4,4 Prozent), Hafner (minus 4,2 Prozent), Textilreiniger und Fotografen (jeweils minus 3,7 Prozent), Kraftfahrzeugtechniker (minus 3,5 Prozent), Installateure (minus 3,4 Prozent) und Elektriker (minus 3,1 Prozent) aus.

Hauptausschlaggebend für die Entwicklung seien die "anhaltend schwachen Preise", die im Vorjahr um nur durchschnittlich 1,1 Prozent angehoben werden konnten - bei einer allgemeinen Inflationsrate von 2,0 Prozent. Bei 58 Prozent der Betriebe blieben die Preise unverändert, 3 Prozent mussten ihre Verkaufspreise sogar um durchschnittlich 7,5 Prozent senken. Nur 39 Prozent setzten eine durchschnittliche Erhöhung um 3,1 Prozent durch.

Preisbereinigte Umsatzzuwächse erzielten im Vorjahr etwa die Müller (plus 3,1 Prozent), Kunststoffverarbeiter (plus 2,9 Prozent), Karosseriebauer (plus 2,3 Prozent), Konditoren (plus 1,7 Prozent), Musikinstrumentenerzeuger (plus 1,3 Prozent), Spengler und Kupferschmiede (plus 1,0 Prozent).

Das heurige Jahr lief für Gewerbe und Handwerk insgesamt verhalten an. "Das erste Quartal gibt nicht Anlass für Euphorie - die tendenziell negative Entwicklung 2013 hat sich in den ersten drei Monaten 2014 fortgesetzt", so Bornett. Nur knapp ein Fünftel (18 Prozent) der Betriebe bezeichnet die Geschäftslage als "gut". 57 Prozent sprechen von einer "saisonüblichen" Entwicklung, 25 Prozent geht es "schlecht". (APA, 1.4.2014)

  • Artikelbild
    foto: apa/jan woitas
Share if you care.