Krebsforschung: Wenn Österreich nicht investiert, fällt es zurück

1. April 2014, 13:40
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Österreich liegt bei der Radiotherapie nicht im Spitzenfeld - Experten warnen: "Wir laufen in Gefahr, zurückzufallen"

Die nach der Finanzkrise propagierte Sparpolitik könnte in den kommenden Jahren auch für Österreichs Krebspatienten Einschränkungen bringen. Wenn das Land nicht mehr in die medizinische Forschung investiert, wird es zurückfallen. Solche Warnungen gab es am 1. April bei einer Pressekonferenz der Initiative "Leben mit Krebs" in Wien.

Erst Anfang Februar wurde vor dem Europäischen Parlament die "European Cancer Patient's Bill of Rights" präsentiert. In dem auch von dem Wiener Onkologen Christoph Zielinski (MedUni Wien/AKH) mitgestalteten Papier werden der freie Zugang der Kranken zu Informationen und deren Beteiligung an den Therapieentscheidungen, der Zugang zu einer optimalen Fachpflege und zu innovativen Therapien sowie ein Gesundheitssystem gefordert, in dem die Betroffenen Zugang zu einer Therapie mit verbesserter Lebensqualität mit erschwinglichen Aufwendungen durch den Einzelnen hat.

Wissenszuwachs in Gefahr

Zielinski erklärte zu jenen Bereichen, in denen Österreich hier am ehesten Anstrengungen nötig hätte: "Ein Gebiet ist eine 'Verteidigungshaltung', die wir einnehmen müssen, damit uns was wir haben nicht wieder weggenommen wird." Durch Bankenrettung etc. entstünde die Gefahr, dass der "Benefit für den Einzelnen auf der Strecke bleibt - für den Benefit des Systems".

Der zweite Problempunkt sei die Grundlagen- und die akademische klinische Forschung: "Hier sehe ich nicht, was ich dauernd höre: dass die Forschung so wichtig ist." Allein die Onkologie und die Hämatologie im Wiener AKH würde jährlich ein Prozent des weltweiten Wissenszuwachses bei Krebs beisteuern. Doch das sei in Gefahr: "Mit Erhalt werden wir zurückfallen."

Ähnlich äußerte sich auch der Onkologe Günther Steger (MedUni Wien/AKH): "Wir laufen in Gefahr, zurückzufallen durch Nicht-Fortschritt. Wir sind derzeit Mitläufer." Strahlentherapeut Richard Pötter (MedUni Wien/AKH) schloss sich dieser Analyse an: "In Österreich wird eine klinische Forschung, die nicht durch Drittmittel (vor allem Pharmaindustrie; Anm.) finanziert wird, nicht finanziert. Das ist ein Riesenproblem." Schlechter könne es nicht werden.

Gemäßigtes Mittelfeld

Dabei werden sowohl die Grundlagen- als auch die translationale Forschung in der Medizin - bei letzterem geht es um die Klinik-nahe Umsetzung neuer Erkenntnisse - immer wichtiger. In der Krebstherapie hat beispielsweise die Kombination von zwei monoklonalen Antikörpern bei HER2-positiven Brusttumoren zu einer Halbierung der Rückfallsrate bei bestimmten Patientinnen geführt. Die Kombination einer zielgerichteten Therapie mit mTOR-Inhibitoren und von antihormoneller Behandlung beim Mammakarzinomen reduziert die notwendigen Chemotherapien bei manchen Patientinnen und erhöht deren Chancen.

Von 4. bis 8. April findet in Wien der Jahreskongress der europäischen Strahlentherapie-Gesellschaft (ESTRO) mit rund 5.000 Teilnehmern statt. Tagungspräsident Richard Pötter: "Leider ist Österreich in der Strahlentherapie nicht im Spitzenfeld, sondern im gemäßigten Mittelfeld." Das hat eine Studie der IAEO ergeben.

Dabei gebe es Neuentwicklungen, die die Strahlentherapie bei Krebs deutlich verbessern könnten: Mittels Genanalyse kann bestimmt werden, ob ein Tumor gut oder schlecht ansprechen, oder ob es zu mehr oder weniger Hautnebenwirkungen kommen wird. (APA/red, 1.4.2014)

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