Drei-Jahres-Vertrag für "Frühstücksdirektor"

1. April 2014, 15:51
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Der ehemalige Festnetzvorstand Rudolf Fischer hat als Zeuge ausgesagt und von indirekten Abfertigungen gesprochen

Wien - Der Telekom-II-Prozess rund um eine 600.000 Euro schwere Scheinrechnung für einen ehemaligen Marketing-Bereichsleiter der Telekom Austria geht in die nächste Runde. Richter Michael Tolstiuk hat am Dienstag den Auftrag für den Gutachter ausgeweitet. Zuvor hat der ehemalige Festnetzvorstand Rudolf Fischer als Zeuge ausgesagt, dass in der Telekom Austria unter der Führung des damaligen Vorstandsvorsitzenden Heinz Sundt Manager-Verträge verlängert wurden, obwohl diese nur "Frühstücksdirektoren" waren. Hier seien hunderttausende Euro als indirekte Abfertigung gezahlt worden.

So sei einem Geschäftsführer der Personalabteilung ein noch für drei Jahre laufender Vertrag durch 800.000 Euro abgegolten worden. Fischer verwies auch darauf, dass auch einfache beamtete Mitarbeiter mit 70 bis 80 Prozent der Bezüge nach Hause geschickt wurden - "ist das normal?", so Fischer zu Richter Michael Tolstiuk. Zum Klima in der Telekom meinte Fischer: "Wir sind pausenlos unter Druck gestanden." Schließlich habe der teilstaatliche börsenotierte Konzern die Mitarbeiterzahl von 15.000 auf 8.000 reduziert.

Der vertragliche Abfertigungs-Anspruch des erstangeklagten Ex-Marketingleiters habe lediglich bei rund 30.000 Euro gelegen, dies wäre kein fairer Betrag für die hervorragende Arbeit des Beklagten gewesen, so Fischer. Vergleichbare Jobs würden ja nicht "am Apfelbaum hängen". Zur Höhe einer fairen Abfertigung meinte Fischer: "Wenn beide Seiten unzufrieden sind, ist es meist eine faire Lösung."

600.000 Euro Scheinrechnungen

Einen Einblick in dem Umgang mit den Mitarbeitern in der Telekom Austria unter dem damaligen Chef Boris Nemsic gab es zuvor rund um eine 600.000 Euro Scheinrechnung. Demnach wurden die 600.000 Euro "Abfertigung" deswegen über Mittelsmänner der Werbeagentur Euro-RSCG an den damaligen Marketingmanager der Telekom ausbezahlt, damit die Betriebsräte von der hunderttausende Euro schweren Vergütung keinen Wind bekommen. Denn zeitgleich wurden tausende Mitarbeiter bei der Telekom ohne vergleichbare Abfertigungen abgebaut, gab der Rechtsvertreter der Telekom zu bedenken.

"Für uns verständlich, durch damit", beschrieb ein angeklagter Ex-Agenturmanager die Stimmung damals, als die 600.000 Euro zur Weiterüberweisung anstanden. Man wisse ja, welche Macht Betriebsräte hätten, meinte der Werbeexperte. Das hätte wohl "Wirbel gegeben", die Betriebsräte wären "auf die Barrikaden gestiegen". Dass die 600.000 Euro - zu den 200.000 Euro, die der Telekom-Manager offiziell erhalten hatte - nicht über die Telekom-Personalverrechnung ausbezahlt wurde habe man sich auch so erklärt, dass dies eine "Wiedergutmachung" dafür sei, dass der Manager seinen Job räumen musste anstatt Telekom-Vorstand zu werden.

Der erstangeklagte Ex-Telekommanager räumte ein, dass die Auszahlung der 600.000 Euro wohl nicht stattgefunden hätte, wenn sie offiziell über der Telekom verrechnet worden wären. Gleichzeitig schränkte er ein: "Ich habe keine Forderungen gestellt, sondern ein Angebot angenommen." Der zweitangeklagte Ex-Manager der Werbeagentur gab an, man habe das Geld durchgeoutet, weil man Angst hatte einen sehr wichtigen Kunden zu verlieren - und der Euro-RSCG wäre ja kein Schaden entstanden, da die 600.000 Euro nur ein "Durchlaufposten" gewesen seien. (APA, 1.4.2014)

  • Ex-Vorstand Rudolf Fischer im Herbst vergangenen Jahres.
    foto: apa/jäger

    Ex-Vorstand Rudolf Fischer im Herbst vergangenen Jahres.

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