Sohn des Premiers nicht länger im Hintergrund

31. März 2014, 18:32
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Bilal Erdogan soll in der Familie für das Geschäftliche zuständig sein - In der Wahlnacht zeigte er sich

Er hat ihn zu seiner Linken gestellt, die ganze Nation soll es sehen: Bilal Erdogan, der jüngere Sohn des Premiers mit den meist rötlichen Haaren, ist nicht länger im Hintergrund; der Mann ohne klaren Job und mit dem Bart, der die Jugendlichkeit des 32-Jährigen kaschieren soll.

Der Vater macht vom Balkon des AKP-Parteigebäudes mit beiden Händen das "Rabia"-Zeichen, das er so mag - die vier Finger ohne Daumen, die das Symbol der ägyptischen Protestbewegung gegen das Militär geworden sind. Bilal Erdogan legt derweil die Hand aufs Herz und bedankt sich für den Wahlsieg seines Vaters.

Sonntag kurz vor Mitternacht ist Revanche für die Erdogan-Familien und zuallererst für Bilal Erdogan. Seine Telefongespräche mit dem Vater, die im Internet verbreitet wurden, haben die Familie als raffgierige Geschäftemacher bloßgestellt. Alles Montage und Lüge, empörte sich Tayyip Erdogan, der Premier.

Die Türken machen sich lustig über Bilal, der die konfusen Worte des Vaters nie versteht. "Sag es noch mal, mein lieber Vater", sagt Bilal. Es ist der Morgen des 17. Dezember. Die türkische Polizei macht eine Razzia bei Ministersöhnen und Bauunternehmern. "Schaff alles raus, was im Haus ist", ordnet Tayyip Erdogan seinem Sohn an. Das Bargeld muss weg, Bilal hat schon eine Idee: ein paar Wohnungen kaufen. Der Premier schickt sicherheitshalber seine Tochter und Beraterin Sümeyye zur Verstärkung mit dem Flugzeug nach Istanbul zu Bilal. Stunden später ruft Vater Tayyip wieder an. "Habt ihr alles auf null gebracht?" Bilal zögert. "Na ja, es sind noch 30 Millionen Euro da."

Bilal Erdogan, so lernte die türkische Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen, kann viele Sachen. Bauaufträge organisieren, Schlagzeilen auf den Titelseiten der vielgelesenen Tageszeitungen Sabah und Aksam bestellen, Yasin al-Qadi am Flughafen abholen, einen saudischen Großinvestor und Geschäftsfreund, der lange als Terrorfinanzier auf einer Liste des US-Finanzministeriums stand.

Verein der Wohltätigkeiten

Während Burak Erdogan, der ältere Sohn des türkischen Premiers, als Reeder nur beim Neukauf von Containerfrachtern in die Medien kommt - und ein einziges Mal bisher mit einem angeblichen, reichlich rüden Telefongespräch mit einer Geliebten in der Schweiz -, kann sich Bilal nicht mehr vor der Aufmerksamkeit der Opposition und der Erdogan-Kritiker retten. Meistens geht es dann um seinen Vorstandsposten in Türgev, der Türkischen Stiftung für Jugend und Leistungen für Bildung.

Türgev baut muslimische Studentenwohnheime, wird mit Schenkungen von Grundstücken bedacht und angeblich vom Finanzministerium mit großer Nachsicht behandelt. (mab, DER STANDARD, 1.4.2014)

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