Was der Hausarzt künftig können müssen soll

31. März 2014, 18:06
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Erste Anlaufstelle für Patienten, Wegweiser durch das System, Helfer in allen Lebenslagen: Die Anforderungen an den Hausarzt sind hoch. Wie seine Rolle künftig aussieht, darüber wird derzeit heftig verhandelt

Wien /St. Pölten - Eine wichtige, sogar eine wichtigere Rolle soll der Hausarzt künftig im heimischen Gesundheitssystem spielen. Darüber lässt sich quer durch das Gesundheitssystem relativ leicht Konsens herstellen. Wie das im Detail aussehen soll, welche Projekte und Gesetze es dafür braucht, diese Fragen sind freilich schon um einiges komplizierter. Mit Gesprächen im Rahmen der Bundesgesundheitskonferenz am Montag sollte damit der Grundstein gelegt werden. Einige Verhandler traten zuvor vor Journalisten, um ihre - freilich noch eher vagen - Ziele zu formulieren.

Am deutlichsten wurde Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ): Bis Ende Juni soll ein Papier auf dem Tisch liegen, auf dessen Basis die Länder dann weiterarbeiten können. Für Wien gebe es bereits drei Pilotprojekte, die - nach entsprechendem Commitment durch die Bundeszielsteuerungskommission - auf den Weg gebracht werden könnten.

Einzelkämpfer "nicht die Zukunft"

Das derzeit unter niedergelassenen Medizinern übliche "Einzelkämpfersystem" sei "nicht die Zukunft", ist Wehsely überzeugt. In seltener Einigkeit wurde ihr Befund von Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger untermauert: Medizin sei heute "viel arbeitsteiliger", Gesundheitssystem und Krankheiten deutlich komplexer als früher. Da brauchten die (Haus-)Ärzte "Unterstützung von nichtärztlichen Berufen". Und Wechselberger erhob eine weitere, langjährige Forderung der Kammer: Die Ausbildung niedergelassener Allgemeinmediziner - derzeit können sie vom Turnus im Krankenhaus direkt in die Ordination gehen - müsse reformiert werden.

Tatsächlich könnte die Ausweitung der Kompetenzen etwa von diplomiertem medizinischem Personal bei der Gesundheitsreform eine wichtige Rolle spielen - etwa bei der Betreuung von chronisch Kranken, wie der Vorsitzende des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Hans Jörg Schelling, sagte. Zu den "erlebten Schwächen" im Gesundheitssystem zählt Schelling "übervolle Wartezimmer, verschlossene Ordinationen, das Hin-und-her-geschickt-Werden". Die zentrale Frage im heimischen Gesundheitssystem bleibt schließlich, wie die Ambulanzen entlastet werden könnten. Neue Versorgungsformen, etwa Gruppenpraxen mit erweiterten Öffnungszeiten, werden dafür praktisch von allen Seiten als Hilfsmittel betrachtet; allein bei der Umsetzung hapert es derzeit.

Der Hauptverbandsvorsitzende forderte - ebenso wie Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) - den gezielten Einsatz moderner Kommunikationsformen, "um den Patienten zu verdeutlichen, was es in ihrer Nähe alles gibt" (Stöger). Schelling brachte zusätzlich die ewige Frage der Prävention aufs Tapet: "Wir müssen unseren Blick auf die Gesundheit richten, nicht nur auf die Krankheit."

Weiter Uneinigkeit in St. Pölten

Am Rande der Gespräche war auch der niederösterreichische Landeszielsteuerungsvertrag ein Thema. Wie berichtet, sind die St. Pöltener Verhandler die Einzigen, die diesen noch nicht abgegeben haben. Das Gesundheitsministerium hat die entsprechende Frist bereits von Jahresende auf den 31. März verlängert. Wie der Standard am Montag erfuhr, kann auch diese Deadline nun nicht eingehalten werden. Diese Woche werde heftig zwischen Land und Gebietskrankenkasse verhandelt, sagte Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka (ÖVP); es geht dabei "natürlich ums Geld". Längstens bis Ostern will er noch weiterverhandeln. Im Gesundheitsministerium gibt man sich geduldig. Gesetzlich vorgesehen ist, dass die Bundeszielsteuerungskommission Regeln für die Gesundheitsversorgung in Niederösterreich finden soll, falls die Verhandler in St. Pölten auf keinen grünen Zweig kommen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 1.4.2014)

  • Wo tut's weh? Diese Frage muss nicht der Hausarzt stellen. Anderem medizinischem Personal könnte bei der Prävention eine größere Rolle zukommen.
    foto: dpa/stache

    Wo tut's weh? Diese Frage muss nicht der Hausarzt stellen. Anderem medizinischem Personal könnte bei der Prävention eine größere Rolle zukommen.

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