Mateschitz' dreibeiniges Steckenpferd

31. März 2014, 17:39
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Die von Red Bull alimentierten Eishackler haben vor den Duellen mit dem HCB Südtirol den Meistertitel schon sicher

Salzburg/Wien - "Vielleicht in 20 Jahren" wird Matthias Trattnig zu würdigen wissen, was am Sonntag in der Villacher Stadthalle passiert ist. Da zog der HCB Südtirol durch ein 5:3 beim VSV ins Finale der Erste Bank Eishockeyliga ein. Die Bozener kürten damit ihren kommenden Gegner, Red Bull Salzburg, vorzeitig zu österreichischen Meistern - und eben auch Trattnig. Für den Klub und dessen längstdienenden Spieler ist es der fünfte Titel seit 2005, Trattnig ist aber die Teilnahme an der siebenten Finalserie innert zehn Jahren wichtiger, "weil wir nur Meister sind, wenn wir gegen Bozen gewonnen haben. Im Endeffekt zählt nur die Liga."

Der bald 35-jährige Grazer Trattnig ist Kapitän einer Mannschaft, die Geldgeber Dietrich Mateschitz besonders am Herzen liegt. Eishockey ist ein Steckenpferd des 69-Jährigen, der maximal in der Formel 1 ähnlich präsent ist. Mateschitz besucht viele Spiele im eher mauen, schon 1960 errichteten und nur 3200 Zuseher fassenden Salzburger Volksgarten. Schließlich stand Eishockey auch ganz am Anfang seiner Sponsorentätigkeit. Bereits 1986, also noch vor Markteinführung seines Energiedrinks, unterstützte Mateschitz den EC Salzburg. Reinhard Ratschiller, einer breiteren Öffentlichkeit als Anwalt von Andreas Goldberger bekannt geworden, als der Skispringer dem österreichischen Skiverband den Rücken kehren wollte, gewann als Obmann dann Red Bull im Jahr 2000 endgültig als Namenssponsor für den Eishockeyklub. Seit 2005 schmückt er als EC Red Bull Salzburg die Ebel, macht aber vom finanziellen Aufwand her nicht einmal die Hälfte der einschlägigen Division im Konzern aus.

Seit 2012 gibt es nämlich noch das Standbein EHC Red Bull München, das in der verwichenen Saison in der DEL völlig einknickte. Nach Erreichen der Pre-Playoffs kam gegen die Iserlohn Roosters das blamable Aus. Die Schuld daran wird allgemein bei Coach Pierre Pagé gesucht und gefunden, der aus Salzburg gekommen war. Der 65-jährige Kanadier hatte vor der Saison noch geprahlt, dass für die Münchner unter ihm maximal der Mars das Limit sei. Nach dem Aus gegen das Aushängeschild des Märkischen Kreises prügelte Pagé derart auf die Spieler ein, dass viele nie wieder unter ihm spielen wollen.

Walten und Wüten

Auch dass Salzburg in den vergangenen beiden Saisonen der Favoritenrolle in der Ebel nicht entsprechen konnte, wird Pagés Walten bzw. Wüten angelastet. Kapitän Trattnig will dieses Urteil allerdings nicht bestätigen, "die Vergangenheit interessiert mich nicht wirklich." Für ihn zähle Bozen, also die Zukunft.

Die Salzburger Eishockeyzukunft allgemein liegt in Liefering, wo im Sommer die Fußball- und Eishockeyakademie von Red Bull eröffnet wird. Die beiden Eishallen dienen dann wirklich weitgereisten Profis, spielt doch das Farmteam des Eishockeymeisters in der internationalen russischen U21-Liga (MHL) mit. Schon die dadurch bedingten Reisen, die nur zum Beispiel zu den Amur Tigers nach Chabarowsk in den Fernen Osten Russlands führen, erfordern einen reinen Profibetrieb.

Der Erhalt der Mannschaft, die nur wenige Österreicher schmücken, darunter mit Markus Pöck der jüngere Bruder von Thomas Pöck, dürfte pro Saison nicht unter eineinhalb Millionen Euro zu bewerkstelligen sein. Red Bull Salzburg wird auf sechs Millionen und also etwa gleichauf mit dem KAC geschätzt. Die höheren Kosten für das Meisterdouble von Red Bull - dem würde auch der gutverdienende Trattnig zustimmen -, verursachten mit Sicherheit die Herren Fußballer. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 1.4.2014)

  • Matthias Trattnig ist mit der Saison noch nicht fertig.
    foto: gepa

    Matthias Trattnig ist mit der Saison noch nicht fertig.

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