Breiter Widerstand gegen Bettlerunterkunft in Klagenfurt

31. März 2014, 17:37
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Streit um eine Notschlafstelle, die die Caritas eröffnen will: Anrainer, Politiker und Polizei stemmen sich vehement dagegen

Klagenfurt - "Bittar schen, die Dame." Erwartungsvoll blitzen die samtbraunen Augen des alten Mannes. Er sitzt auf dem kalten Boden, die Beine übereinander gekreuzt, und streckt der Passantin seine Hände entgegen. Jahrelang schon kommt der Rom samt seiner Sippe aus Rumänien nach Klagenfurt, um zu betteln. Man bleibt einige Zeit und zieht dann weiter. Doch nun wird es in Klagenfurt höchst ungemütlich. Aus den Abbruchhäusern, in denen die rund 40 Roma-Angehörigen Unterschlupf fanden, vertreibt man sie mit Polizeigewalt. Derzeit werden die verwahrlosten Stätten verplankt, um das "Einschleichen" zu unterbinden. Schlafen die Bettler im Freien, verjagt sie die Bergwacht.

Kein "Bettlerhotel"

Die Caritas will jetzt den "Notreisenden" eine Notunterkunft zur Verfügung stellen. Dafür hat sie eine aufgelassene Gärtnerei angekauft. Dort sollen die Roma-Sippen übernachten und ihre Grundbedürfnisse wie Schlafen, Waschen, Essen und Kochen befriedigen können.

Doch das Projekt droht zu scheitern. Es gibt massive Proteste der Anrainer. Diese befürchten Belästigung und Kriminalität. FPÖ-Bürgermeister Christian Scheider lehnt das "Bettlerhotel" ebenfalls strikte ab. Ebenso die Klagenfurter ÖVP - die SPÖ schweigt dazu. Auch die Klagenfurter Stadtpolizei, die immer wieder zur Räumung der illegalen Bettlerunterkünfte ausrücken muss, ist dagegen. Dafür sind nur die Grünen und die unabhängige Gemeinderätin Sieglinde Trannacher.

"Es handelt sich um Menschen, die von Elend und Not in ihren Heimatländern zu uns getrieben werden - wir können da unsere Augen nicht verschließen", sagt Caritas-Direktor Viktor Omelko im STANDARD-Gespräch. Er will trotz des scharfen Gegenwinds weiter am Projekt festhalten.

Probleme mit der Umwidmung

Doch da gibt es auch Probleme mit der Umwidmung. Die Caritas habe laut Bürgermeister Scheider keine baurechtliche Genehmigung für die Nutzung des Gebäudes als Wohnraum. Und es werde eine solche Umwidmung auch niemals geben. "Das entspricht nicht dem Stadtentwicklungskonzept", so Scheider zum STANDARD. Außerdem wäre das "ein fatales Signal": "Es handelt sich um organisierte Bettelei, bei der nur Hintermänner abkassieren. Die Bettler würden dann ja scharenweise nach Klagenfurt kommen." Wenn jemand Hilfe brauche, könne er sich ja auch an die Stadt wenden. So seien einige Bettler auch in Obdachlosenunterkünften aufgetaucht. Doch da habe es ständig Probleme mit ihnen gegeben.

Caritas-Direktor Omelko kann das alles nicht nachvollziehen. "Die Bettler werden diskriminiert, ausgegrenzt und kriminalisiert. Dabei sind sie EU-Bürger, die sich seit Jahresbeginn überall in der EU frei niederlassen dürfen." Mit der Bettlerunterkunft würden die Roma nicht mehr gezwungenermaßen illegal in desolaten Gebäuden übernachten müssen. Man werde weiter versuchen, Politik und Bevölkerung für die Bettlernotunterkunft zu erwärmen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 1.4.2014)

  • In einer ehemaligen Klagenfurter Gärtnerei will die Kärntner Caritas eine Notschlafstelle für Bettler errichten.
    foto: caritas

    In einer ehemaligen Klagenfurter Gärtnerei will die Kärntner Caritas eine Notschlafstelle für Bettler errichten.

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