Fettstoffwechselstörung: Hohes Risiko kann auch im Blut liegen

2. April 2014, 10:25
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Störungen im Fettstoffwechsel können erblich bedingt sein - die Auswirkungen sind drastisch

Es gibt auch solche Krankengeschichten: Mit 35 Jahren bekam er einen Herzinfarkt - aus heiterem Himmel. Die Diagnose: familiäre Fettstoffwechselstörung, also erblich bedingt ein zu hoher Cholesterinspiegel. Neben Alter, Rauchen, Übergewicht, falscher Ernährung, Diabetes und Bluthochdruck gelten familiäre Fettstoffwechselstörungen - in der Fachsprache Hyperlipoproteinämien (HLP) - als entscheidender Risikofaktor für Arteriosklerose.

Viele Ursachen

Eine HLP kann auch begleitend bei anderen Krankheiten auftreten, etwa bei Leber- und Gallenwegserkrankungen, Diabetes, Übergewicht oder chronischer Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Das nennen Mediziner dann sekundäre HLP. Eine primäre HLP entsteht meist durch Vererbung. Durch Veränderung in einem oder mehreren Genen funktionieren bestimmte Enzyme nicht so, wie sie sollten. Fette kommen entweder in zu hoher Konzentration vor oder können nicht entsprechend abgebaut werden.

Ärzte unterscheiden verschiedene Typen von HLP, je nachdem, ob nur die Triglyzeride, nur das Gesamtcholesterin oder das "böse" LDL- oder VLDL-Cholesterin erhöht sind oder ob eine Mischform vorliegt.

Geht aufs Herz

Die häufige HLP Typ 2 wird autosomal dominant vererbt, das heißt: Wenn Vater oder Mutter erkrankt sind, bekommt das Kind mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch HLP. Durch genetische Mutation ist der Rezeptor verändert, mit dem LDL in die Leberzellen aufgenommen wird. Als Folge steigt der LDL-Cholesterinspiegel massiv an. Sehr früh bekommen die Betroffenen eine koronare Herzkrankheit durch Arteriosklerose, manche bekommen schon als Kind einen Herzinfarkt. Therapiert wird mit Ernährungsumstellung, Statinen, und wenn das nicht hilft, mit weiteren Medikamenten.

Der 35-jährige Mann litt unter der HLP Typ 2. Seine Schwester ließ sich ebenfalls darauf testen - auch sie hat das kranke Gen. Der Arzt stellte bei ihr Bluthochdruck fest, die HLP hatte bereits die Herzkranzgefäße geschädigt. Konsequent nahm sie die empfohlenen Statine und Blutdrucksenker und stellte ihre Ernährung um. Ihr Bruder verzichtete hingegen auf Medikamente - er sei doch noch so jung. Wenige Monate später erlitt er einen zweiten Herzinfarkt. (fewi, DER STANDARD, 1.4.2014)

Wissen:

Cholesterinsenker
Statine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Das erste (Lovastatin) wurde 1987 in den USA zugelassen, in Österreich sind dieses und weitere sechs am Markt: Atorvastatin, Pravastatin, Fluvastatin, Simvastatin, Rosuvastatin und Pitavastatin. Letzteres ist das neueste. Cerivastatin ("Lipobay") wurde wegen tödlicher Nebenwirkungen bei bestimmten Patienten nach einigen Jahren vom Markt genommen. Statine verringern die Menge an "schlechtem" LDL-Cholesterin im Blut und sollen so vor Arteriosklerose - Arterienverkalkung - schützen. Diese erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Lipoproteine mit geringer Dichte (LDL) transportieren Cholesterin im Blut. Kommen zu viele LDL vor, deponieren sie das Cholesterin in der Wand der Blutgefäße. So entsteht Arteriosklerose. Ernährt man sich sehr fettreich, stellen Leberzellen mehr VLDL (Lipoproteine mit sehr geringer Dichte) her. Dadurch entsteht mehr LDL, und das Risiko für eine Arteriosklerose steigt. Lipoproteine mit hoher Dichte (HDL) entfernen überschüssiges Cholesterin aus Körperzellen und Blut und verhindern, dass es in den Gefäßen abgelagert wird. (fewi)

  • Der Cholesterinspiegel im Blut hängt vom Lebensstil und den Genen ab.
    foto: apa/barbara gindl

    Der Cholesterinspiegel im Blut hängt vom Lebensstil und den Genen ab.

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